Dienstag, 20. März 2018

[Rezension] Die Stunde des Assassinen – R. J. Barker



Titel: Die Stunde des Assassinen
Autor: R. J. Barker
Verlag: Heyne
Erscheinungsdatum: 09. Januar 2018
Einband: Softcover
Seiten: 460
ISBN: 978-3-453318-82-3
Preis: 14,99 € [D]

Klappentext
Girton Klumpfuß ist noch ein Kind, als er wie ein Sack Getreide auf dem Sklavenmarkt feilgeboten wird. Doch niemand hat Verwendung für einen kleinen Jungen mit einem verkrüppelten Fuß – bis auf Meister Karn, Asssassine und eine lebende Legende im Geschäft mit dem Tod. Meister Karn nimmt ihn in die Lehre und nun, Jahre später, ist Girton kurz davor selbst einer der besten Auftragsmörder seiner Zeit zu werden.
Eines Nachts werden Girton und sein Meister an den Königshof gerufen: Innerhalb der dicken Steinmauern von Burg Maniyadoc wispert man hinter vorgehaltener Hand von einem geplanten Anschlag auf den Kronprinzen. Getreu dem Motto „Willst du einen Mörder fangen, musst du einen Mörder schicken“, heuert Adran Mennix, Königin von Maniyadoc und den Langen Flüssen, die beiden Assassinen an, um den Angriff auf ihren Sohn zu verhindern. Also wird Girton als Knappe bei Hofe eingeschleust und soll dort seinem Meister Auge und Ohr sein. Weder Girton noch Meister Karn ahnen jedoch, dass der Anschlag auf den Kronprinzen erst der Beginn einer Reihe von Intrigen und Verschwörungen ist, die das ganze Königreich in einen furchtbaren Krieg stürzen könnte ...

Einordnung
- Die Stunde des Assassinen (Teil 1)
- Blood of Assassins (dt. unbekannt, Teil 2)
- King of Assassins (dt. unbekannt, Teil 3)

Erster Satz
Darik, der Schmied, war der Letzte der Trostlosen.
(Seite 7)

Rezension
Ich habe eine große Schwäche für Assassinen. Deshalb habe ich mich sehr auf dieses Buch gefreut. Meine Erwartungen wurden aber leider ziemlich enttäuscht. Bis zum Schluss habe ich beispielsweise nicht verstanden, warum die Charaktere ausgerechnet Assassinen sein müssen. Im gesamten Buch gibt es keine Szene, die sie nicht auch als Personen anderer Berufsgruppen wie Ritter oder Soldaten hätten lösen können. Ihr Auftrag ist, ein Leben zu retten, und nicht, eines zu nehmen. Also verbringen sie das ganze Buch damit, Informationen zu sammeln, um den Anschlag zu verhindern. Sie töten auch, ja, aber eher in Soldaten-Manier in einer blutigen Schlacht. Wer sich, so wie ich, auf ein Buch über Assassinen freut, wird bitter enttäuscht werden. Nicht einmal ihr Auftrag mutet ehrenhaft an, weil der Prinz, den sie retten sollen, ein dermaßen unsympathischer, arroganter, verzogener Bengel ist, dass ich mir fast schon gewünscht habe, sie würden scheitern, einfach damit er stirbt. Der Aspekt der Assassinen geht in diesem Buch vollkommen verloren.

Durch das pausenlose Sammeln der Information kommt auch keine Spannung auf. Girton und sein Meister schleichen sich ganz zu Beginn in der Burg ein und verbringen die folgenden 400 Seiten damit, mögliche Verdächtige zu beobachten. In der ersten Hälfte des Buches werden lediglich immer und immer mehr mögliche Auftraggeber des Meuchelmörders vorgestellt, ohne dass sie genauer überwacht werden und ohne dass ihnen überhaupt in irgendeiner Art vermehrte Aufmerksamkeit zukommt. In der zweiten Hälfte spielt fast nur noch Girtons Privatleben eine Rolle. Da mir aber auch die Bindung zu den Charakteren gefehlt hat, fand ich es nicht interessanter, stattdessen etwas über die Figuren zu lernen. Zum Großteil las sich das Buch wie eine unendliche Einleitung, in der immer mehr Charaktere vorgestellt und in der Grundinformationen für den Rest der Geschichte gesammelt werden. Dabei wird die High Fantasy Welt aber fast völlig ignoriert, sodass es kaum Erklärungen zum Setting gibt und auch die immer mal angerissene Magie wird nicht näher erläutert. Damit war das Buch leider sehr langweilig.

Mit der finalen Auflösung des Komplotts konnte ich dann auch nichts anfangen. Ich habe sie schlichtweg nicht verstanden. Gemeinsam mit Girton bin ich immer noch völlig im Dunklen getappt, als sein Meister aus heiterem Himmel die gesamten Intrigen aufgelöst hat. Es waren eine Menge Figuren beteiligt, die bis dahin kaum aufgetreten waren, gesetzeswidrige Machenschaften wurden aufgedeckt, von denen Girton überhaupt nichts mitbekommen hat, und Magie spielte irgendwie auch noch eine Rolle. Es ist eine Mischung aus allen möglichen Intrigen und Machtkämpfen, die zum Teil nicht einmal miteinander zusammen hängen, und zusammen ein riesiges Komplott bilden. Grundsätzlich ist gegen Komplexität natürlich nichts einzuwenden, aber hier kam die Erklärung wirklich aus heiterem Himmel. Schlussendlich war es ein Komplott, auf das es kaum bis keine Hinweise gab, weil Girtons Meister die eigentliche Ermittlungsarbeit geleistet und ihn (und damit auch den Leser) aber nicht auf dem Laufenden gehalten hat. Während hat sich Girton eigentlich nur seine Zeit vertrieben, Freunde gefunden und sich in das erste Mädchen verliebt, das er gesehen hat. Aus der Perspektive des Meisters wäre das Buch vielleicht spannend gewesen, Girton dagegen hat mich eher gelangweilt.

Fazit
Ich hatte mich auf eine Assassinen-Geschichte in einer High Fantasy Welt gefreut. Bekommen habe ich leider nichts davon. Dass Girton und sein Meister Assassinen sind, geht in dem Buch völlig unter, weil sie lediglich Informationen sammeln, um das Leben einer absolut ätzenden Figur zu retten, die ich am liebsten sterben sehen wollte. Zudem war die Geschichte langwierig und las sich wie eine unendliche Einleitung. Die Auflösung am Ende kommt aus heiterem Himmel und ohne Hinweise, da der Meister das Komplott durchschaut hat, während Girton, der Erzähler, damit beschäftigt war, ein Mädchen anzuschmachten. „Die Stunde des Assassinen“ hat eine interessante Grundkonstellation, war aber leider in Summe so langweilig, dass ich nur zwei Schreibfedern vergebe.


Ich bedanke mich beim Heyne Verlag und beim Bloggerportal für das Rezensionsexemplar.

Kommentare:

  1. Grüße dich Jenny,

    oje oje, das Buch scheint ja nicht gut angekommen sein. Bist inzwischen schon die Zweite, die dahingehend eher wenig von hielt. Ich habe es inzwischen hier liegen. Habe es Geschenkt bekommen weil ich Assassinen einfach so cool finde. ♥ Jetzt bin ich gespannt wies wird. Was ich dir aber ans Herz legen kann ist "Nevernight" *-* Falls du es noch nicht gelesen hast, unbedingt reinschauen. Es macht süchtig. ♥ Assassinen wie man sie sich wünscht.

    Tintengrüße von der Ruby

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    1. Hey Ruby,

      tatsächlich habe ich "Nevernight" auch schon gelesen. Die Idee fand ich gut und spannend, mit der Umsetzung bin ich aber überhaupt nicht zurecht gekommen. Der Autor hat jede Idee so lange ausgewalzt, bis sie mir total auf die Nerven ging und ich mich nicht mehr darüber freuen konnte. Und die Fußnoten haben mich ständig aus dem Lesefluss gerissen. Also die Assassinen fand ich da tatsächlich interessant, aber ich kam mit der Erzählart des Autors einfach nicht zurecht. Trotzdem werde ich den zweiten Band auch noch lesen. ;)

      Ich drücke dir die Daumen, dass dir "Die Stunde des Assassinen" auch besser gefällt als mir. Die Geschmäcker sind ja zum Glück verschieden. Momentan schwanke ich noch, ob ich es auch mal mit dem zweiten Teil versuche (wenn der überhaupt noch übersetzt wird), weil dort vielleicht mal mehr Handlung und weniger Sammeln von Informationen eine Rolle spielt...

      Liebe Grüße zurück,
      Jenny

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