Montag, 21. Mai 2018

[Rezension] Nevernight 2: Das Spiel – Jay Kristoff


Titel: Nevernight – Das Spiel
Autor: Jay Kristoff
Verlag: Fischer
Erscheinungsdatum: 25. April 2018
Einband: Hardcover
Seiten: 697
ISBN: 978-3-596297-59-7
Preis: 22,99 € [D]

Klappentext
Mia kehrt zurück nach Gottesgrab, der Stadt aus Brücken und Gebein. Als Auftragsmörderin der Roten Kirche folgt sie deren Befehlen aufs Wort und tötet, ohne Fragen zu stellen. Ihr eigentliches Ziel sind jedoch die Männer, die ihre Familie auf dem Gewissen haben: Konsul Scaeva und Kardinal Duomo.
Als Mia herausfindet, dass der Assassinenorden Scaeva schützt, kehrt sie ihm den Rücken und begeht ihre bis dahin größte Dummheit: Sie verkauft sich selbst in die Sklaverei, um als Gladiatorin bei den Großen Spielen anzutreten. Denn dem Gewinner, so heißt es, wird eine private Audienz beim Konsul gewährt ...

Einordnung
- Die Prüfung (Teil 1)
- Das Spiel (Teil 2)
- unbekannt (Teil 3)

Erster Satz
Nichts stinkt so übel wie ein Leichnam.
(Seite 19)

Rezension
Kann Spoiler bezüglich des ersten Teils enthalten!

Nach einem kurzen Vorwort, in dem noch einmal an die wichtigsten Personen des ersten Teils erinnert wird, geht die Geschichte um Mia und die Rote Kirche direkt spannend weiter. Einige Monate sind vergangen, seitdem Mia zur Klinge ernannt wurde, sodass ich als Leser in eine vollkommen neue, unbekannte Situation geworfen wurde, denn das Buch beginnt mit der Gegenwart. Es gibt jedoch noch einen zweiten Handlungsstrang, der die jüngere Vergangenheit darstellen. Dadurch ergab sich im Verlauf jede Menge Abwechslung. Außerdem haben die unterschiedlichen Handlungsstränge die Spannung erhöht, weil in dramatischen Situationen einfach der Strang gewechselt wird. Zudem werden Ereignisse, Namen etc. in der Gegenwart nicht erklärt, sodass Teile der Handlung mysteriös bleiben, bis der Handlungsstrang der Vergangenheit an der Stelle angekommen ist, an dem die Begebenheiten erläutert werden. Durch normale und kursive Schrift hatte ich keinerlei Probleme, die Stränge auseinander zu halten. Es hat mir sehr gut gefallen, wie die Vergangenheit nach und nach aufgeholt hat, bis beide Stränge verschmolzen sind.

Besonders gefallen hat mir außerdem die mitreißende Atmosphäre in den unterschiedlichsten Situationen. Beispielsweise weiß ich als Leser genauso gut wie Mia, dass die anderen Gladiatoren aus ihrer Staffel ihr im Weg stehen und im Optimalfall übertrumpft, im schlechtesten Fall getötet werden müssen. Mit einer ganz langsamen, ruhigen Entwicklung hat der Autor es trotzdem geschafft, dass ich sie sympathisch fand und manche regelrecht mochte. Freundschaft, Kameradschaft und Loyalität haben mich eingewickelt, ohne dass ich etwas dagegen tun konnte, sodass ich nicht wollte, dass einer von ihnen stirbt.
Bei diesem Buch ist das allerdings ein geradezu irrsinniger Wunsch, denn es ist unglaublich gewalttätig und brutal. Der Autor geht nicht zimperlich mit den Charakteren um und hat sich eine absolut pervertierte Form der ohnehin schon blutigen Gladiatorenkämpfe ausgedacht. Dabei werden alle Szenen bis zum Ende ausgeschrieben, wodurch eine geladene, blutdürstige Atmosphäre entsteht. In meinen Augen passte das absolut zum Buch, war nie nur für die Geschichte eigentlich irrelevante Metzelei und hat wunderbar unterstützt, wie hart das Leben für Mia ist, aber auch wie hart sie selbst werden musste. Diese gegensätzlichen Stimmungslagen hat der Autor sehr authentisch und mitreißend vermittelt.

Enttäuscht hat mich lediglich das Ende des Buches. Die letzten Kapitel sind voll gestopft mit Wendungen und Enthüllungen, die aber fast alle schon seit mehreren hundert Seiten, wenn nicht sogar schon seit dem ersten Teil vorhersehbar waren. Schon im Laufe des Buches ist mir aufgefallen, dass der Autor zwar packend schreiben und Spannung erzeugen, aber kaum Überraschungen liefern kann. Die Hinweise auf die Wendungen, die in der Geschichte geliefert werden, sind einfach nicht subtil genug. Außerdem bedient er sich häufig der gleichen Methoden, die auch eine Menge andere Autoren verwenden. Daher waren die vermeintlich überraschenden Erkenntnisse, die am Ende des Buches Schlag auf Schlag erfolgen, für mich einfach nur Bestätigungen dessen, was ich ohnehin schon wusste.

Fazit
Dieses Buch ist nichts für Leser mit schwachen Nerven, denn es ist gewalttätig, blutig und brutal. Der Autor geht nicht zimperlich mit den Charakteren um und jede Szene wird mit allen Schmerzen bis zum bitteren Ende ausgeschrieben. Das passt wunderbar in die mitreißende Atmosphäre des Buches. Spannung und Abwechslung wird insbesondere am Anfang erzeugt durch zwei wechselnde Handlungsstränge: Gegenwart und Vergangenheit. Enttäuscht haben mich lediglich die fehlenden Überraschungen. Es gibt eine Menge Potenzial für Wendungen und Enthüllungen, das hat der Autor aber durch offensichtliche Hinweise und altbekannte Methoden verschenkt. „Nevernight – Das Spiel“ hat mit gut gefallen, macht neugierig auf den letzten Band und bekommt dafür vier Schreibfedern von mir.



Ich bedanke mich beim Fischer Verlag und bei Lovelybooks für das Rezensionsexemplar.

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