Sonntag, 7. Oktober 2018

[Rezension] Nemesis 2: Verräterisches Herz – Anna Banks

Nemesis 2: Verräterisches Herz – Anna Banks
zum Verlag

Titel: Nemesis – Verräterisches Herz
Autor: Anna Banks
Verlag: cbt
Erscheinungsdatum: 16. Juli 2018
Einband: Softcover
Seiten: 439
ISBN: 978-3-570311-61-5
Preis: 12,99 € [D]

Klappentext
Sepora ist es gelungen, einen Waffenstillstand zwischen ihrem Vater und ihrer großen Liebe Tarik auszuhandeln, doch der Preis dafür ist hoch. Ihr Vater hat König Tarik ihre Hand angeboten und Tarik hat angenommen, ohne Sepora zu fragen. Täglich lässt sie Tarik nun spüren, wie sehr sie ihn deshalb verachtet. Doch als von unerwarteter Seite Verräter auftauchen, müssen Tarik und Sepora lernen, zusammenzuarbeiten. Bald stehen beide Königreiche, ihre Beziehung und sogar ihr Leben auf dem Spiel.


Einordnung
- Geliebter Feind (Teil 1)
- Verräterisches Herz (Teil 2)

Erster Satz
Sethos' Schwertspitze saust mir haarscharf an der Nase vorbei.
(Seite 9)

Rezension
Kann Spoiler bezüglich des ersten Teils enthalten!

Die erste Hälfte des Buches hat mir richtig gut gefallen. Die Geschichte war interessant und die Handlung gleich in mehrfacher Hinsicht spannend. Überraschenderweise hat mir gerade die Liebesgeschichte zu Anfang viel Spaß bereitet. Zwischen Sepora und Tarik herrscht eine knisternde Spannung, denn zum einen fühlen sie sich unbestreitbar immer noch zueinander hingezogen, zum anderen sind sie aber auch wirklich wütend aufeinander. Sepora widersetzt sich Tarik bei jeder sich bietenden Gelegenheit und heizt damit die Stimmung an, während Tarik bemüht ist, nicht die Geduld mit ihr zu verlieren. Ich habe mitgefiebert, ob sie sich zwischen all den Geheimnissen, Lügen und Verpflichtungen doch noch irgendwann aus eigenem Wunsch kriegen.

Neben der Liebesgeschichte hat mir am Anfang aber auch der Rest der Handlung gefallen, da sich die Lage immer mehr zuspitzt. Die Verlobung von Tarik und Sepora löst einen diplomatischen Zwischenfall mit einem anderen Königreich aus, Seporas Vater hat ganz offensichtlich nicht nur Frieden im Kopf und weitere Nachbarländer wollen die Gunst der Stunde nutzen. Es droht Krieg mit gleich mehreren Ländern, sodass die Stimmung düsterer wird und das Gefühl entsteht, die Figuren würden auf einem Pulverfass sitzen. Es gab mehrere überraschende Wendungen bezüglich Freunden und Feinden. Ungefähr in der Mitte wurde dann noch ein weiterer Handlungsstrang eröffnet, Dank dem ich das Buch dann überhaupt nicht mehr aus der Hand legen wollte.

Leider wird diese richtig gute erste Hälfte vom Rest des Buches völlig ruiniert. Es wird ein Höhepunkt in Verzweiflung und Dramatik erreicht, dessen Auflösung dann aber, gelinde gesagt, lahm war. Aus Verzweiflung schickt Tarik seine treusten Berater auf hoffnungslose, lebensgefährliche Missionen – zurück kommen sie mit einem Heilmittel, gleich mehreren Armeen und allem anderen, das das Königreich sonst noch dringend braucht. Diese Lösung war mir viel zu einfach, sodass die Spannung einfach verpufft. Zwar tritt direkt die nächste Schwierigkeit auf und es kommt auch tatsächlich noch zum Krieg, doch das wird alles mehr oder weniger übersprungen. Es wird erklärt, dass es ein Blutbad und ein gewaltiges Gemetzel ist und alle beteiligten Parteien möchten anschließend umgehend Friedensverträge aushandeln, aber da das Geschehen aus Tarkis Perspektive erzählt wird und er schon nach ein paar Minuten k.o. ist, kam bei mir nichts von dem Entsetzen an. Außerdem schien mir der ganze Krieg künstlich aufgeblasen, weil bislang völlig irrelevante oder sogar noch nie erwähnte Königreiche mitgemischt haben, deren Beweggründe nie erklärt werden oder die klangen als hätte die Autorin sie sich spontan aus den Fingern gesogen.
Da eine einfache, schnelle Auflösung und ein übersprungener Krieg nicht besonders viel Platz einnehmen, ist in der zweiten Hälfte des Buches umso mehr Raum für die Liebesgeschichte gewesen, mit der es leider auch immer weiter bergab ging. Während mir die aufgeheizte Stimmung am Anfang noch gefallen hat, dreht sich irgendwann alles nur noch im Kreis. Es war ermüdend, die gedanklichen Monologe beider Figuren zu lesen, weil es letztendlich immer darauf hinauslief, dass die Gefühle noch existierten, eine Beziehung aber als unmöglich angesehen wurde. In der ersten Hälfte waren Handlung und Liebesgeschichte noch verknüpft, sodass die Geschichte komplexer geworden ist; in der zweiten Hälfte handelt es sich im Grunde aber nur noch um einen Liebesroman, bei dem das fantastische Setting nur noch nebenbei erwähnt und durch ständiges Überspringen enorm viel Potenzial verschenkt wird.

Fazit
Die erste Hälfte des Buches hat mir richtig gut gefallen, aber die zweite Hälfte hat alles ruiniert. Am Anfang war die Liebesgeschichte packend, voll knisternder Spannung und aufgeheizter Stimmung. Die Handlung hatte überraschende Wendungen, wurde komplexer und hat sich immer weiter zugespitzt. Am Höhepunkt verpuffte die Spannung aber einfach, weil die Lösung viel zu einfach war. Der meist übersprungene, künstlich aufgeblasene Krieg war regelrecht lahm. Stattdessen nahm die Liebesgeschichte immer mehr Raum ein, drehte sich aber nur noch im Kreis und war echt ermüdend. Das Buch wurde zu einem vorhersehbaren, melodramatischen Liebesroman und hat unendlich viel Potenzial hinsichtlich der fantastischen Elemente verschenkt. „Nemesis – Verräterisches Herz“ bekommt für einen genialen Anfang und ein fürchterliches Ende drei Schreibfedern.


3 Federn

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