Montag, 14. Januar 2019

[Rezension] Jake Scott 2: Red Shark – Peter Sasgen

'Red Shark' von Peter Sasgen
zu Amazon
Titel: Red Shark
Autor: Peter Sasgen
Verlag: Bastei Lübbe
Erscheinungsdatum: 23. Februar 2010
Einband: Softcover
Seiten: 475
ISBN: 978-3-404164-01-1
Preis: 8,99 € [D]

Klappentext
Die Vereinten Nationen haben die Botschafter von Nord Korea und Süd Korea zu einem historischen Verbrüderungsakt zusammengebracht. Doch als zwei Bomben mitten in Manhatten detonieren, endet die Friedenskonferenz in einem Blutbad.
Hinter dem Attentat steckt ein Terrorist, der die USA in einen atomaren Schlagabtausch mit Nord Korea verwickeln will. Seine Waffe: Die Red Shark, ein U-Boot mit atomaren Raketen, das weder von Sonar noch von Satelliten geortet werden kann. Der US-Präsident schickt seinen besten Mann, um den furchtbaren Plan zu vereiteln: U-Boot-Commander Jake Scott. Mit seinem betagten Boot, der Reno, heftet er sich an die Fersen der Terroristen. In den Tiefen des Ozeans entscheidet sich das Schicksal der Welt

Einordnung
- Code Red (Teil 1)
- Red Shark (Teil 2)
Die Teile können jedoch auch unabhängig voneinander gelesen werden.

Erster Satz
Der südkoreanische Sonderbotschafter Nak-chung Paik trat aus der ständigen Gesandtschaft der Republik Korea bei den Vereinten Nationen auf die East 45th Street und stieg in einen gepanzerten Mercedes-Benz ein.
(Seite 9)

Rezension
Grundsätzlich hatte dieses Buch alles, was ich an Polit- und insbesondere U-Boot-Thrillern schätze. Es wird aus vielen unterschiedlichen Perspektiven erzählt, wobei nicht nur der Protagonist und seine Verbündeten Stimmen bekommen, sondern auch die Gegenseite, die Terroristen und neutrale Parteien. Dadurch werden Ziele und Pläne zwar direkt zu Beginn offenbart, doch das mindert in keinster Weise die Spannung. Es wird eher noch mehr Dramatik aufgebaut, da ich zusehen musste, wie die Charaktere ins offene Messer rennen. Zudem macht das Buch den Eindruck als läge ihm ausführliche Recherche zugrunde, da mit vielen technischen Begriffen und militärischen Bezeichnungen gearbeitet wird, die mir zwar nichts sagen (keine Ahnung, wie sich ein 21-Inch-Mark-48-ADCAP-Torpedo (S. 195) von anderen Anti-U-Boot-Waffen unterscheidet), aber die Geschichte und den Kontext authentischer wirken lassen. Auch das Auftauchen von SEALs und Nachrichtendienstlern hat mir gefallen, ganz zu schweigen vom nervenaufreibenden Katz-und-Maus-Spiel in den Tiefen des Ozeans. Aufbau und Grundzutaten stimmten. Das Buch war wie Tom Clancys „Jagd auf Roter Oktober“ - nur nicht so gut.

Dass mir das Buch schlussendlich nur mittelmäßig gefallen hat, liegt allerdings nicht daran, dass es Tom Clancys Niveau nicht erreicht - denn welches Buch tut das schon? Es ganz schlichtweg einige Punkte, mit denen ich mich nicht anfreunden konnte. Der wohl gravierendste Aspekt ist, dass mir die meisten Charaktere, auch die vermeintlichen Sympathieträger, nicht gefallen haben. Im besten Fall waren sie mir gleichgültig, die SEALs beispielsweise, im schlimmsten Fall fand ich sie regelrecht unsympathisch, wie zum Beispiel den Protagonisten. Das ist eine schlechte Voraussetzung, wenn ein Teil der Spannung des Buches daher rührt, dass bei Feindkontakt immer wieder bekannte Charaktere sterben. Dieses Drama ging völlig an mir vorbei.
Außerdem fand ich, dass sich einige Charaktere sehr unglaubwürdig benommen haben. Möglicherweise wollte der amerikanische Autor den nordkoreanischen Diktator als blind und dumm darstellen, mich hat es aber schon im ersten Kapitel aus dem Lesefluss gebracht, dass sich die Nordkoreaner anbrüllen wie eifersüchtige, unterbelichtete Ex-Eheleute. Genauso überstürzt und unpassend fand ich die Instant-Liebe des Protagonisten zur einzigen anderen Frau, die im Buch auftaucht und nicht schon seine Ex-Frau ist. Die vollkommen fehlende Chemie zwischen den beiden findet ihren Tiefpunkt in einer aus dem Hut gezauberten, lieblos hingeschmierten Sexszene, die trotz zweimaligem Verkehr nicht einmal eine Seite lang ist.
Unabhängig von den Charakteren hat mich manchmal auch die Übersetzung gestört. Für ein Verlagsbuch gab es echt viele Rechtschreib- und Grammatikfehler. Ärgerlich, wäre aber nicht ganz so schlimm gewesen, hätte es nicht zwischendurch immer wieder Sätze gegeben, die ins Leere laufen. Mehrfach gab es Wortaneinanderreihungen, die einfach keinen Sinn ergeben haben. Von Anfang an habe ich mich mit dem Stil etwas schwer getan, da der Autor eine Vorliebe für lange sowie Schachtelsätze hat (siehe erster Satz des Buches). Manchmal wusste ich auch nach zweimaligem Lesen des Satzes nicht, welche Information er mir damit vermitteln möchte. Das ließ sich jedoch alles ignorieren. Nur die Sätze, bei denen der Übersetzer scheinbar selbst den Faden verloren hat, haben mich jedes Mal aus dem Lesefluss gerissen.

Diese Unstimmigkeiten haben sich durch das gesamte Buch gezogen, sind aber in der ersten Hälfte deutlich mehr aufgefallen, denn ungefähr ab der Mitte hat der Autor mit dem aufgewartet, was mir an diesem Buch eindeutig am besten gefallen hat: Spannung. Die ganze zweite Hälfte war so nervenaufreibend spannend, dass ich sie in einem Rutsch verschlungen habe. Zu Beginn waren es noch geheime Pläne und Spione, die mich in Atem gehalten haben, zum Schluss dann die U-Jagd, die nicht nur zwischen dem Amerikaner und dem Nordkoreaner stattfindet, sondern auch einen chinesischen Mitspieler hat. Da es bei Auseinandersetzungen zwischen U-Booten immer um Alles oder Nichts geht, hat allein das schon die Dramatik enorm erhöht. Doch auch die Ungewissheit, wie der Chinese agieren würde, hat meinen Puls in die Höhe getrieben. Am meisten mitgenommen hat mich allerdings der ständige Wechsel aus Agieren und Reagieren. Nach jedem Angriff verstecken sich die U-Boote voreinander, müssen sich erst wiederfinden, bangen darum, nicht in einen Hinterhalt zu fahren und dass ihre Täuschkörper die Torpedos abfangen. Da dieses Katz-und-Maus-Spiel aus allen drei U-Booten geschildert wird, war die Spannung bis zum Ende wirklich enorm. Der Autor zögert den finalen Schlag so lange hinaus, dass ich schon befürchtet hatte, das Buch würde enden, bevor es soweit ist.

Fazit
In der Grundstruktur war das Buch genau so, wie ich U-Boot-Thriller mag: Viele Perspektiven, technische Begrifflichkeiten, mit Nachrichtendienstlern und Kapiteln aus der Sicht der Terroristen. In der zweiten Hälfte war das Buch außerdem nervenaufreibend spannend mit einem dramatischen Katz-und-Maus-Spiel. Leider gab es auch einige Kritikpunkte: Die Charaktere waren mir allesamt unsympathisch bis gleichgültig, teilweise benehmen sie sich unglaubwürdig, für den Protagonisten wird eine unpassende Instant-Liebe aus dem Hut gezaubert und die Übersetzung war durch viele Rechtschreib- und Grammatikfehler sowie sinnfrei ins Nichts laufende Sätze auch eher weniger gelungen. „Red Shark“ ist ein U-Boot-Thriller wie Tom Clancys 'Jagd auf Roter Oktober', nur bei Weitem nicht so gut und bekommt daher nur drei Schreibfedern.


3 Schreibfedern

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