Freitag, 25. Januar 2019

[Rezension] Schwarzschwinge 1: Im Zeichen des Raben – Ed McDonald

'Schwarzschwinge 1: Im Zeichen des Raben' von Ed McDonald
zum Verlag
Titel: Im Zeichen des Raben
Autor: Ed McDonald
Verlag: blanvalet
Erscheinungsdatum: 10. Dezember 2018
Einband: Softcover
Seiten: 474
ISBN: 978-3-734161-46-9
Preis: 16,00 € [D]

Klappentext
Ryhalt Galharrow ist Hauptmann der Schwarzschwingen. Sie übernehmen im Kampf gegen dämonische Wesen die Drecksarbeit: Kopfgeldjagden, Morde, Einschüchterung, Folter. Ryhalt hat sich dieses Leben nicht ausgesucht, vielmehr trieb ihn sein Pech in diese erbärmlichen Lebensumstände. Und er ist gut in dem was er tut, auch wenn er manchmal seiner Ehre nachtrauert, die er dem Pragmatismus geopfert hat. Da trifft er seine Jugendliebe wieder und er weiß: Für sie will er ein besserer Mensch sein. Doch das Schicksal – und die Götter – haben andere Pläne ... 

Einordnung
- Im Zeichen des Raben (Teil 1)
- Ravencry (Teil 2, dt. unbekannt)
- Crowfall (Teil 3, dt. unbekannt)

Erster Satz
'Jemand hatte sie gewarnt, dass wir kommen würden.'
(Seite 5)

Rezension
Im ersten Drittel des Buches war ich verloren. Ich habe Satz um Satz, Seite um Seite, Kapitel um Kapitel gelesen und einfach nichts verstanden. Die Geschichte beginnt mitten in der Handlung in einer fremden Welt voller merkwürdiger Kreaturen und liefert für sehr lange Zeit höchstens bruchstückhafte Erklärungen. Es macht mir nichts aus, wenn ich die Welt erst im Laufe des Buches begreife, aber es stört mich, wenn ich vor lauter Verwirrung der Handlung kaum folgen kann. Was im Klappentext verständlich klingt – Schwarzschwingen, dämonische Wesen, Drecksarbeit –, kratzt nur an der Oberfläche dieses komplexen Buches.
Die Schwarzschwingen gehören zu den Aspekten, die ich bis zum Schluss nicht wirklich verstanden habe. Sie sind weder eine Elite- noch eine Spezialeinheit, sondern scheinen eine zusammengewürfelte Truppe zu sein, die keine richtige Arbeit habt und deren Besetzung ständig wechselt. Zumindest glaube ich das, denn bis auf Ryhalts Freunde Nenn und Tnota wird niemand namentlich vorgestellt. Wie viel Befehlsgewalt Ryhalt nun eigentlich hat, wie viele Männer ihm unterstellt sind und wie ihr Leben funktioniert, war für mich bis zum Schluss nicht ersichtlich. Die Schwarzschwingen schienen mir wie die Fliegen zu sterben und trotzdem überall aus dem Boden zu schießen. Manchmal befehligt Ryhalt kaum eine Handvoll, einige Seiten später eine ganze Wehrmauer. Gleichermaßen verwirrt hat mich auch, welcher Aufgabe die Schwarzschwingen normalerweise nachgehen. Im Grunde wird Ryhalt das gesamte Buch über vorgeworfen, die Aufgaben, die sie aktuell übernähmen, entsprächen nicht ihrem eigentlich Aufgabengebiet. Es scheint als hätte Ryhalt ein zentraler Büro, aber wozu genau das dienen soll und woher die Aufträge schlussendlich kommen, geht in dem Gemetzel irgendwie unter. Kurzum: Ich habe bis zum Schluss nicht verstanden, wer der Protagonist eigentlich ist und was er tut, wenn er nicht gerade seiner Jugendliebe hinterher schmachtet.

Einige weitere Dinge sind mir ebenfalls noch unklar. Dazu zählen beispielsweise die dämonischen Wesen, die der Klappentext ankündigt, die mir noch nie zuvor unter gekommen waren. Einige werden vorgestellt und erläutert, bei anderen wird im Laufe des Buches nicht mehr als der merkwürdige Name genannt, den ich mir dementsprechend auch nicht merken und ihn schon gar nicht fürchten konnte. Andere Erläuterungen musste ich mehrfach lesen, um ihren Sinn zu verstehen.
Hinzu kommt außerdem, dass das Buch ziemlich vulgär ist. Das lässt im Laufe des Buches etwas nach, aber gerade am Anfang scheint der Autor sich bemüht zu haben, so viel Vulgarität wie möglich unterzubringen. Diese Ausdrücke kommen nicht nur in Dialogen vor, sondern auch im übrigen Text, der aus Ryhalts Perspektive erzählt wird. Insbesondere das ist wohl auch der Grund dafür, warum die Charaktere für mich keine Sympathieträger waren. Weder den Nebencharakteren noch der Hauptfigur konnte ich etwas abgewinnen. Bei Ryhalt war sogar eher das Gegenteil der Fall, weil er ständig mit seiner Schmachterei beschäftigt war. Es handelt sich nicht um ein Jugendbuch, aber seine Liebesgeschichte voller Geschnulze und melodramatischer Tränen war genauso nervtötend.

Neben all der Kritik gab es aber auch Aspekte, die mir gefallen haben. Nach dem ersten Drittel habe ich mich langsam in der Welt zurechtgefunden. Viele Dinge wurden nach und nach erklärt. Der bis dahin abstrakte Konflikt wurde auf eine anschauliche Bühne gebracht. Insgesamt hat mir der Fantasy-Teil sehr gefallen, nachdem ich nicht mehr so verloren war wie am Anfang. Außerdem ist es zwischendurch tatsächlich spannend geworden. Etwa in der Mitte hat das Buch Fahrt aufgenommen und es kommt zu spannenden Auseinandersetzungen. Zwar hätte ich lieber mehr Schlachten gelesen als retrospektive Zusammenfassungen der Schlachten, aber unterhaltsam war auch das. Besonders gefallen hat mir das Buch, als die blöde, fadenscheinige Bürokratie Ryhalt bei einer wichtigen Aufgabe immer wieder Steine in den Weg legt. Dort habe ich tatsächlich für einige Zeit seine Emotionen nachvollziehen können: Das hat mich genauso aggressiv gemacht wie ihn. Da war es eine Erleichterung, dass er die Idioten dann einfach alle umgebracht hat.

Fazit
Im ersten Drittel des Buches war ich vollkommen verloren, habe kaum etwas verstanden und konnte der Handlung nicht folgen. Hinzu kamen eine enorm vulgäre Ausdrucksweise, Charaktere, die keine Sympathieträger waren, und eine nervtötende Liebesgeschichte. Im Laufe der Geschichte wurde es jedoch besser. Als ich mich in der Welt zurechtgefunden habe, hat mir der Fantasy-Aspekt gefallen. Die Handlung wurde spannend und unterhaltsam. In Summe war „Im Zeichen des Raben“ für mich ein durchschnittliches Buch, das mich dennoch auf die Fortsetzung neugierig gemacht hat und dafür drei Schreibfedern bekommt.

3 Schreibfedern

Ich bedanke mich beim blanvalet Verlag und beim Bloggerportal für das Rezensionsexemplar.

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