Donnerstag, 7. Februar 2019

[Rezension] Seelenfänger – Andreas Brandhorst

Seelenfänger von Andreas Brandhorst
zum Verlag

Titel: Seelenfänger
Autor: Andreas Brandhorst
Verlag: Piper
Erscheinungsdatum: 11. Januar 2019
Einband: eBook
Seiten: 640
ISBN: 978-3-492992-47-3
Preis: 9,99 € [D]

Klappentext
Zacharias Calm verfügt über eine besondere Gabe: Als »Traveller« kann er mit dem Bewusstsein anderer Menschen in Kontakt treten. Mit seiner Fähigkeit trägt er maßgeblich zur Aufklärung von Straftaten bei. Eines Tages kehren plötzlich andere »Traveller« von ihren Reisen in das Bewusstsein ihrer Klienten nicht mehr zurück. Wohin sind sie verschwunden? Steckt ein Verbrechen dahinter? Gemeinsam mit der Therapeutin Florence macht sich Zacharias auf die Suche nach seinen Kollegen. Es beginnt eine gefährliche Mission in mentalen Welten, bei der die Grenze zwischen Realität und Traum schon bald verschwimmt. Und dann stehen Zacharias und Florence einem skrupellosen Gegner gegenüber, der sogar die Realität bedroht …


Einordnung
Das Buch ist kein Teil einer Reihe.


Erster Satz
'Hier lag er und träumte davon zu denken.'
(Seite 8)

Rezension
Der Klappentext dieses Buches hat mich begeistert, seit ich ihn das erste Mal gelesen habe. Die Idee klang richtig interessant und hat mich ein wenig an „Matrix“ erinnert. Zum Glück hat das Buch dann auch von der ersten Seite an gehalten, was der Klappentext versprochen hat. Schon das erste Kapitel hat mich neugierig darauf gemacht, was das Buch noch alles zu bieten haben würde. Wie sich Zacharias im Bewusstsein anderer Personen bewegt und dort Dinge verändert hat, war faszinierend. Die Idee, ins Bewusstsein traumatisierter Menschen einzudringen und dort durch gezielte Veränderungen ebendieses Trauma auszulöschen, hat mir sehr gefallen. Es war spannend, durch die unterschiedlichen Bewusstseine zu wandern und zu beobachten, wie sie sich gegen Zacharias wehren.
Viel Spannungsaufbau fand auch dadurch statt, dass von unterschiedlichen Charakteren und aus verschiedenen Perspektiven erzählt wird. Beinahe jedes Kapitel endet mit einem Cliffhanger, wonach aber erst mal wieder von einem anderen Handlungsstrang berichtet wird, bis die Geschichte darauf zurückkommt. Deshalb konnte ich einfach nicht aufhören zu lesen. Außerdem ist dadurch verschleiert worden, wer auf welcher Seite stand, denn wer die Bösen sind, hängt schließlich immer von der Perspektive ab. Es war sehr schwer zu durchschauen, wer gute und wer böse Absichten hat, wer die falschen Dinge aus den richtigen Gründen getan hat und andersherum. Und immer, wenn ich dachte, ich hätte es herausgefunden, änderte es sich doch noch mal.

Doch auch von der Handlung bin ich immer wieder überrascht worden. Je mehr ich gelesen habe, desto komplexer wurde die Geschichte. Irgendwann rauchten nicht nur den Charakteren die Köpfe. Das Buch hat mich nicht verloren, aber Konzentration war schon gefordert. Um es nebenbei zu lesen, ist das Buch deutlich zu anspruchsvoll. Gerade die Komplexität hat aber auch dafür gesorgt, dass die Geschichte absolut unvorhersehbar war. Ich hatte nicht einmal eine Vorstellung davon, welche Pläne die unterschiedlichen Parteien überhaupt verfolgt haben. Es gab ein riesiges Knäuel an Handlungssträngen, die alle irgendwie verknüpft waren und auf parallelen Ebenen verliefen. Den einzelnen Strängen konnte ich folgen, aber daraus ein vollständiges Konzept für die Geschichte zu machen, ist mir nicht gelungen. Deshalb hat mich das Buch immer wieder überrascht, auf dem falschen Fuß erwischt oder auf den Holzweg geführt.

Es war ein richtig gutes Buch – bis das Ende kam. Ich habe ausführlich recherchiert, bin aber nach wie vor der Meinung, dass es sich bei dem Buch um einen Einzelband handelt (es ist 2012 bereits bei einem anderen Verlag erschienen und wird sowohl auf den gängigen Buchplattformen als auch auf der Verlags- und der Autorenhomepage als Einzelband geführt). Leider ist das Ende aber wie der Cliffhanger nach einem ersten Teil. Von den im Laufe des Buches aufgeworfenen Fragen werden nicht alle beantwortet, sodass die Auflösung des ansonsten sehr packenden Spannungsbogens fehlt. Die viele Handlungsstränge, die am Anfang alle zusammenhingen, werden am Ende nicht vollständig zusammengeführt, sondern laufen teilweise ins Nichts. Einige Kapitel, die von Nebencharakteren erzählt wurden, endeten mit einem Cliffhanger, der dann nie wieder aufgegriffen wurde. Besonders prägnant ist mir da eine Figur hängen geblieben, die eine andere Person aus unbekannten Gründen erschießt. Damit endet das Kapitel und keiner der beiden wird jemals wieder erwähnt. Das hat mich ziemlich enttäuscht, weil ich so gerne mehr erfahren und die Einzelteile zu einem Ganzen zusammengeführt gesehen hätte. Der Epilog setzt dann leider noch eins drauf, indem er noch mehr Fässer aufmacht, die dann überhaupt nicht mehr näher behandelt werden. Für mich hat der Autor damit auf den letzten Metern ein geniales Buch doch noch teilweise ruiniert.

Fazit
Das Buch war von der ersten Seite an packend. Die interessante Idee hat mich fasziniert und neugierig auf mehr gemacht. Viel Spannung wurde durch die unterschiedlichen Perspektiven mit Cliffhangern an den Kapitelenden aufgebaut. Zudem war die Geschichte so komplex, dass sie absolut unvorhersehbar war und ich immer wieder überrascht wurde. Ich fand das Buch richtig gut und es hat mich sehr begeistert, bis ich beim Ende ankam. Denn leider endet das Buch, das ein Einzelband sein soll, mit vielen Cliffhangern, offenen Fragen und ins Nichts laufenden Handlungssträngen und im Epilog werden dann noch mehr Fässer aufgemacht. „Seelenfänger“ ist ein richtig tolles Buch, das der Autor leider nicht zu Ende gebracht hat, weshalb ich nur vier Schreibfedern vergebe.

4 Schreibfedern

Ich bedanke mich beim Piper Verlag und bei Netgalley für das Rezensionsexemplar!

Kommentare:

  1. Oh, ich liebe Seelenfänger und freue mich total, es mal auf einem anderen Blog zu sehen! <3 Ich habe das Buch damals 2012 gelesen. Das war lange das einzige, was ich von Andreas Brandhorst gelesen hatte, aber ich hab ihn trotzdem als einen meiner Lieblingsautoren bezeichnet, nur wegen diesem Buch ;) An das Ende erinnere ich mich ehrlich gesagt gar nicht mehr so genau - ich glaub es ist Zeit für ein Re-read, denn das Buch hat jetzt auch, nachdem es jahrelang bei einer Freundin war, wieder den Weg zurück zu mir gefunden :) Mittlerweile habe ich auch Ewiges Leben von Brandhorst gelesen, das gut war, gut geplottet, tolle Figuren, natürlich wesentlich realitätsnaher als Seelenfänger, aber lustigerweise hat mich da auch das Ende aufgeregt - vielleicht ist das so ein Ding von dem Autor: tolle Bücher schreiben und es dann mit dem Ende ruinieren xD Das Erwachen von ihm wartet auch noch auf meinem SuB :)

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    1. Es freut mich sehr, dass dir das Buch auch so gefallen hat. :) Ich hoffe, dass sich das beim Reread nicht ändert. Weitere Bücher der Autors habe ich auch noch nicht gelesen, aber vielleicht versuche ich das mal. In der Hoffnung, ein Buch zu finden, bei dem mich das Ende zufrieden stellt. :D Vielleicht lese ich eine der "Reihen", wo mehrere Bücher im selben Universum spielen. Da kann ich mit einem offenen Ende besser leben, glaube ich.

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