Freitag, 12. April 2019

[Rezension] #ichwillihnberühren – OJ & ER

[Rezension] #ichwillihnberühren – OJ & ER
zum Verlag

Titel: #ichwillihnberühren
Autor: OJ & ER
Verlag: Ach je
Erscheinungsdatum: 12. April 2019
Einband: Softcover
Seiten: 167
ISBN: 978-3-947720-33-0
Preis: 9,99 € [D]

Klappentext
Die Situation ist wirklich absurd: Nur mit Boxershorts bekleidet liegt sein Kumpel neben ihm im Bett und schaut TV. Er dagegen, äußerlich krampfhaft entspannt, konzentriert sich stur auf sein Handy, seine innere Anspannung ist kaum auszuhalten. Verständlich, denn seit über zwei Jahren ist er in genau diesen Kumpel verliebt. Ohne eine Ahnung, was dieser selbst fühlt, ohne Anhaltspunkte, ob auch er schwul ist.
Was tut man nun in solch einer Situation? Wie findet man unauffällig heraus, ob diese Gefühle nur einseitig sind oder vielleicht doch erwidert werden? Wer liefert einem dafür hilfreiche Tipps? Eine unterhaltungssüchtige Online-Community bietet Zuflucht und gibt – oft widersprüchliche – Ratschläge. Oder ist alles von Anfang an nur Wunschdenken und der halbnackte Kumpel denkt sich nichts weiter dabei?
Die Situationen werden in den folgenden Tagen immer aufregender, das digitale Publikum immer größer und das Internet wird Zeuge eines romantischen Schauspiels.


Einordnung
Das Buch ist kein Teil einer Reihe.

Erster Satz
'Ich liege angespannt in meinem Bett und spüre schon die Bettkante an meiner linken Körperseite.'
(Seite 7)

Rezension
Das Buch hat bei mir schon auf den ersten Seiten ein aufgeregtes Kribbeln ausgelöst. Die Geschichte beginnt mit der im Klappentext beschriebenen Szene, in der ER nur mit Boxershorts bekleidet neben dem völlig überforderten OJ auf dem Bett liegt. Dank einiger vielseitig interpretierbarer Interaktionen habe ich von Anfang an mitgefiebert, wie es mit ihnen weiter geht. Die langsamen Annäherungen im Laufe des Buches haben mich auf meinem Stuhl herumrutschen lassen, denn genau wie OJ habe ich die ganze Zeit darauf gewartet, dass endlich etwas zwischen ihnen passiert. Beim Lesen war ich dadurch fast genauso nervös wie er in der Situation. An einer Stelle wird ein/e Jodel-User/in zitiert, der/die aufgrund der Geschichte von OJ und ER aufgeregter war als wegen des eigenen anstehenden Dates. Im Grunde kann ich mich dem nur anschließen: Es ist unglaublich, wie sehr man bei den Liebesgeschichten anderer, echter, realer Menschen mitfiebern kann. Ich habe das Buch in einem Rutsch verschlungen.

Außerdem habe ich schon beim Lesen der ersten Seiten festgestellt, wie nachvollziehbar ich OJs Gedanken finde und wie verbunden ich mich ihm als Person fühle. Ich meine, ich bin weiblich und heterosexuell, aber jeden Moment, jede Sekunde und jedes Wort so zu zerdenken, kam mir doch bekannt vor. Und Denken tut OJ viel. Das Buch beinhaltet kaum Dialoge, sondern stattdessen viele Gedankenspiele zu grundsätzlichen Einstellungen, den bisherigen Ereignissen und möglichen künftigen Entwicklungen. Das war aber weder langweilig noch nervig, eher im Gegenteil. Seine Antizipation, was geschehen könnte, seine kryptischen Annäherungsversuche, enttäuschte Was-wäre-wenn-Selbstfolter - für mich war das absolut nachvollziehbar. Es war sehr erleichternd festzustellen, dass man mit seinen Eigenheiten dann ja irgendwie doch nicht allein ist.

Interessant fand ich auch, die Geschichte aus beiden Perspektiven zu lesen. Beinahe jede Szene wird sowohl aus der Sicht von OJ als auch aus der Sicht von ER geschildert. Obwohl es sich um genau dieselbe Szene mit denselben Personen am selben Ort mit dem gleichen Dialog handelt, war es doch faszinierend, wie unterschiedlich die jeweiligen Kapitel waren. Wie eindeutig Handlungen aus der eigenen Perspektive sind, wie uneindeutig sie vom Gegenüber dann aber wahrgenommen werden. Insbesondere, wenn eine Szene zum zweiten Mal aus der anderen Perspektive geschildert wurde, hat mich das manchmal zum Lachen gebracht, weil Handlungen genau den Effekt haben, den sie erzielen sollen, beide aber ihre Reaktionen unterdrücken und deshalb glauben, es wäre fehlgeschlagen. Ich würde dieses Buch wirklich unter der Kategorie Feel-Good einordnen. Es war sehr süß und hat mich gut unterhalten, auch wenn ich anmerken muss, dass die beiden wohl eher keine geborenen Schriftsteller sind.

Fazit
Die Geschichte von OJ und ER hat mich von Anfang an mitfiebern lassen. Ich war genauso nervös und aufgeregt wie sie und habe das Buch in einem Rutsch verschlungen. Es war sehr interessant und faszinierend, die Szenen aus beiden Perspektiven mit den völlig unterschiedlichen Wahrnehmungen zu lesen. Besonders mit OJ und seinem Hang zum Zerdenken der Dinge habe ich mich schnell verbunden gefühlt. „#ichwillihnberühren“ ist ein süßes Feel-Good-Buch, das mich gut unterhalten hat und dafür fünf Schreibfedern bekommt.

5 Federn

Ich bedanke mich beim Ach je Verlag und bei Vorablesen für das Rezensionsexemplar!

Kommentare:

  1. Hallo Jenny,

    na, da bin ich ja froh, dass du meine Wunschliste derart fütterst. Ich bin schon allein beim Lesen der Rezension nervös geworden. ^^

    Liebe Grüße,
    Nicole

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    1. Hey Nicole,

      haha, sehr gut. :D Dann wünsche ich dir viel Spaß mit dem Buch, wenn du dazu kommst. xD Mich hat es jedenfalls ziemlich hibbeln lassen. Und es war echt süß. Und sehr authetisch - ich meine, ist ja auch eine wahre Geschichte, aber trotzdem.

      Liebe Grüße zurück,
      Jenny

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  2. Huhu,

    fand das Buch schon in der Vorschau spannend :D Steht auf meiner Wuli ^^

    Tintengrüße von der Ruby

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    1. Hey Ruby,

      dann wünsche ich dir viel Spaß damit! :) Erlös es bald! ;) Es hat sich wirklich gelohnt. Ein sehr süßes Buch.

      Liebe Grüße zurück,
      Jenny

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