Donnerstag, 18. April 2019

[Rezension] Das Zeitalter der Fünf 1: Priester – Trudi Canavan

[Rezension] Das Zeitalter der Fünf 1: Priester – Trudi Canavan
zum Verlag

Titel: Das Zeitalter der Fünf - Priester
Autor: Trudi Canavan
Verlag: blanvalet
Erscheinungsdatum: 15. Oktober 2018
Einband: Softcover
Seiten: 827
ISBN: 978-3-734161-75-9
Preis: 12,00 € [D]

Klappentext
Die magisch begabte Auraya ist auserwählt, eine Priesterin der Weißen zu werden. Doch für diese Ehre muss sie alles hinter sich lassen, was ihr lieb und teuer ist: ihre Heimat, ihre Familie – und Leiard, den Traumweber. Dabei könnte Auraya gerade seine Hilfe dringend gebrauchen. Denn geheimnisvolle, schwarz gekleidete Magier sind ausgeschwärmt und scheinen nur ein Ziel zu kennen: die totale Auslöschung des Ordens der Weißen ...


Einordnung
- Priester (Teil 1)
- Magier (Teil 2)
- Götter (Teil 3)

Erster Satz
'Auraya stieg über den Stamm eines umgestürzten Baumes und achtete sorgsam darauf, durch kein Rascheln seiner Blätter oder Zweige ihre Anwesenheit zu verraten.'
(Seite 7)

Rezension
Mit diesem Buch war es ein ständiges Auf-und-Ab. Es hat so viele Seiten, dass die Aussage „Anfang und Ende haben mir gefallen, die Mitte nicht“ zu einfach wäre. Spannende und langatmige Abschnitte haben sich viel häufiger abgewechselt. Meinen Notizen kann ich mindestens acht solcher Wechsel entnehmen. Doch nicht nur der Spannungsgrad der Handlung schwankte, sondern auch meine Sympathie mit den Charakteren war davon abhängig, womit sie sich gerade beschäftigt haben. Viele Enthüllungen, im Großen wie im Kleinen, waren zudem vorhersehbar. Auf der anderen Seite hat mich das Ende trotz Vorhersehbarkeit so gepackt, dass ich die Fortsetzungen auch noch lesen möchte.

Anfangs dachte ich, dies sei ein Buch, bei dem ich dran bleiben müsse, um mit der Vielzahl der Erzähler zurecht zu kommen. Die Figuren wurden alle sorgfältig und ausführlich eingeführt, sodass ich nie den Überblick verloren habe; durch die vielen Perspektivwechsel hatte ich aber gleichzeitig trotzdem das Gefühl, dass es mit der Geschichte gut vorwärts ging. Sehr bald wurde allerdings deutlich, dass es sich um ein sehr langsames Buch handelt. Ein sehr, sehr, sehr langsames Buch. Die wenige Handlung in den ersten Kapitel hatte nichts mit der Vorstellung neuer Charaktere zu tun, sondern zieht sich durch das gesamte Buch. Alles wird ausführlich beschrieben und sorgfältig aufgebaut. Es werden mehr Gedanken als Handlungen erzählt, da in jedem Kapitel die Meinung des Erzählers zu den bisherigen Ereignissen aufgearbeitet wird. Das hat zur Folge, dass das Buch träge und gemächlich vor sich hin plätschert. Nicht immer hat mich das gestört, da ich es oft interessant fand, einfach mehr über die Charaktere zu erfahren. Trotzdem haben sich auch langatmige und langweilige Abschnitte darunter gemischt, in denen ich mir gewünscht habe, das Tempo möge endlich anziehen. Da hat es sicherlich auch nicht geholfen, dass das Papier des Buches so dünn ist, dass ich immer wieder mehrere Seiten auf einmal umgeblättert habe und deshalb irgendwann bei jedem Umblättern auf die Seitenzahl schauen musste, um mich nicht immer über die merkwürdig sinnfreien Sätze zu wundern.

Genauso geschwankt habe ich bezüglich meiner Zu- und Abneigung gegenüber den Charakteren. Grundsätzlich waren die verschiedenen Erzähler alle interessante Figuren, deren Handlungsstränge ich gerne verfolgt habe. Besonders schön war es immer, wenn ich endlich den Sinn einer Perspektive verstanden habe, weil unterschiedliche Erzähler aufeinander getroffen sind. Außerdem hat mich gleich in den ersten Kapiteln positiv überrascht, dass ich die im Klappentext getriggerte Liebesgeschichte ausschließen konnte, da Auraya zu Beginn ein junges Mädchen und Leiard ihr alter Lehrer ist. Umso enttäuschter war ich, als sie dann nicht mehr so jung und er scheinbar doch nicht so alt war. Eine andere Erzählerin, eine mächtige, uralte Hexe auf der Flucht vor den Priestern, hat es mir mit ihrer scharfsinnigen Weisheit ebenfalls angetan. Bis sie aus Geldnot als Hure im Bordell gelandet ist. Eine weitere Perspektive befasst sich mit einem jungen Erfinder. Über ihn wird die Kultur eines anderen Volkes eingeführt und seine Klugheit hat mir gefallen. Als dann allerdings ein Mädchen auf den Plan tritt ... Es war ein spannendes Fantasy-Buch mit Wesen, Völkern, Politik und Magie, bis die Perspektiven plötzlich alle auf Sex hinausgelaufen sind und das mehr oder minder zeitgleich. Da war es dann eine Weile vorbei mit den interessanten Charakterentwicklungen. Zum Glück haben sich einige Erzähler wieder gefangen und wurden erneut interessant. Bei anderen schwankte es jedoch von Kapitel zu Kapitel. Besonders Aurayas Liebeleien und Leiards Schmachterei gingen mir zunehmend auf die Nerven. Das fand ich sehr schade, da insbesondere Leiard ein sehr vielversprechender, potenzialreicher Charakter ist. Es bleibt zu hoffen, dass die Erzähler des nächsten Teils auch dann glücklich sind, wenn sie nicht jede Nacht mit einem Geliebten ins Bett hüpfen können.

Fazit
Das Buch hat mir abwechselnd gut und nicht gefallen. Immer wieder wechselten sich spannende Szenen mit langatmigen Kapiteln ab. Das Erzähltempo ist unfassbar langsam und nicht immer konnten interessante Figuren dies auffangen, da auch meine Meinung bezüglich der Charaktere schwankt. Ich mochte sie alle und habe ihre Geschichte gerne verfolgt, bis plötzlich alle Perspektiven auf Sex, Liebeleien und Schmachterei hinausgelaufen sind. Einige haben sich wieder gefangen, andere gingen mir damit zunehmend auf die Nerven. „Das Zeitalter der Fünf: Priester“ hat mir nicht durchweg gefallen, mich jedoch neugierig auf die Fortsetzungen gemacht und bekommt dafür drei Schreibfedern.

3 Federn

Ich bedanke mich beim blanvalet Verlag für das Rezensionsexemplar.

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