Dienstag, 11. Juni 2019

[Rezension] Dry – Neal & Jarrod Shusterman

[Rezension] Dry – Neal & Jarrod Shusterman
zum Verlag

Titel: Dry
Autor: Neal & Jarrod Shusterman
Verlag: Sauerländer
Erscheinungsdatum: 22. Mai 2019
Einband: Softcover
Seiten: 437
ISBN: 978-3-737356-38-1
Preis: 15,00 € [D]

Klappentext
Als Alyssa an einem heißen Junitag den Wasserhahn aufdreht, passiert gar nichts. Kein einziger Tropfen kommt aus der Leitung. Und nicht nur ihr Haus und ihre Straße sind betroffen, halb Kalifornien sitzt auf dem Trockenen. Die Bevölkerung wird gebeten, Ruhe zu bewahren, die Situation sei bald wieder unter Kontrolle. Doch das stimmt nicht. Und aus einem ungewöhnlich heißen, trockenen Sommer wird plötzlich der Sommer, in dem Alyssa um ihr Leben kämpfen muss.


Einordnung
Das Buch ist kein Teil einer Reihe.

Erster Satz
'Der Wasserhahn in der Küche gibt sehr bizarre Geräusche von sich.'
(Seite 9)

Rezension
Bisher hatte ich von Shusterman nur die ersten beiden Teile der „Scythe“-Reihe gelesen. Die haben mich aber in jeder Hinsicht so begeistert, dass ich es kaum erwarten konnte, auch seine neue Dystopie zu lesen, die diesmal in Zusammenarbeit mit seinem Sohn Jarrod entstanden ist. Bereits das erste Kapitel war genau so, wie ich es von einem Shusterman erwartet habe. Die Geschichte beginnt ohne große Vorrede damit, dass bei Alyssa und ihren Nachbarn plötzlich kein Wasser mehr aus der Leitung kommt. Niemand weiß, was zu tun ist. Alle zieht es in die Supermärkte, wo sie anderen Kunden mit allen Tricks das Wasser aus den Einkaufswagen stehlen. Es ist noch keine Panik ausgebrochen, doch schon auf den ersten Seiten war die Atmosphäre so beklemmend, dass ich Herzrasen hatte. Das hat sich über die nächsten Kapitel fortgesetzt, in denen die Geschichte immer düsterer, spannender und bedrückender wurde. Die ersten 100 Seiten haben mir richtig gut gefallen und mich regelrecht in ihren Bann geschlagen. Leider hat das Buch das Niveau dann nicht ganz halten können.

Hauptsächlich lag das daran, dass ich im Mittelteil enorme Probleme mit den Erzählern hatte. Berichten zunächst noch Alyssa und ihr Nachbar Kelton, von denen ich insbesondere letzteren sehr mochte, von den Ereignissen, kommen bis zur Hälfte noch zwei weitere Erzähler dazu, die mir vom ersten Satz an unfassbar unsympathisch waren. Zudem macht Kelton zu diesem Zeitpunkt eine Entwicklung durch, nach der auch er mir nicht mehr so richtig gefallen hat. Zwar fängt sich das bei ihm und einer weiteren Erzählerin im Laufe der Geschichte wieder, aber insbesondere im Mittelteil waren mir drei Viertel der Erzähler einfach nur unsympathisch.

Ein weiteres Manko ist für mich das kurze, abgehackte Ende, das insbesondere deshalb auffällt, weil der Rest der Geschichte sehr detailliert ist. Die Shustermans haben sich mit diversen Auswirkungen auseinandergesetzt, die vorstellbar sind, wenn 23 Millionen Menschen ohne Vorwarnung plötzlich ohne Leitungswasser auskommen müssen. Um die Konsequenzen zu beleuchten, folgen sie in der Geschichte nicht nur den Erzählern, sondern flechten immer wieder „Snapshots“ ein, die in wenigen Absätzen von den Veränderungen im Leben anderer Personen berichten. Auf diese Weise stellen sie ein breites Spektrum an Konsequenzen des Wassermangels dar: überteuerte Flüge aus dem Krisengebiet, Flüchtlingsströme, Bestechung, Militärpräsenz, fehlende Medienberichte aufgrund der Unsichtbarkeit des Problems und nicht zuletzt die schnell aufkeimende Gewalt. In diesem Zusammenhang wird auch die Problematik der amerikanischen Waffengesetze diskutiert. Es werden außerdem verschiedene Methoden zur Wassergewinnung vorgestellt und Symptome von Dehydrierung erläutert. Das Buch setzt sich wirklich auf vielen Ebenen mit den Auswirkungen auseinander, nicht zuletzt mit der Überforderung der Regierung. Gegen Ende schienen mir die Shustermans allerdings genauso überfordert mit dem Problem zu sein, denn sie bieten keine Lösung an. Mehr möchte ich nicht sagen, um niemanden zu spoilern, aber die Art und Weise, wie diese vielschichtige, ausführliche, detaillierte Geschichte zu Ende gebracht wurde, hat mich dann doch enttäuscht.

Fazit
Am Anfang war dieses Buch genau so, wie ich es von einem Shusterman erwartet habe. Die Atmosphäre war beklemmend, die Handlung war spannend und ich mochte die Charaktere. Leider kamen im Mittelteil unfassbar unsympathische Erzähler hinzu, die mir streckenweise die Freude an der Geschichte genommen haben. Außerdem hat mich das abgehackte Ende enttäuscht. Das Buch ist sehr detailreich und setzt sich auf unterschiedlichsten Ebenen mit den diversen möglichen Konsequenzen des plötzlichen Wassermangels auseinander, bringt das aber nicht zu einem runden Ende. „Dry“ hat mir nichtsdestotrotz größtenteils gut gefallen und bekommt dafür vier Schreibfedern.

4 Federn

Kommentare:

  1. Sehr schöne Rezi liene Jenny!
    Liebe Grüße
    Martina

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  2. Hallo Jenny,
    ich versuche schon seit Tagen eine Rezi zu schreiben, doch irgendwie komme ich nicht so recht dazu. Dir hingegen ist es wunderbar gelungen, das Geschehen einzufangen, die unterschiedlichen Punkte aufzuführen und das Fragezeichen bezüglich des Endes einzubringen. Danke.
    Liebe Grüße, Hibi

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    1. Hey Hibi,

      vielen Dank! Ich drücke dir die Daumen, dass du in nächster Zeit auch Worte für die Rezension findest!

      Liebe Grüße zurück
      Jenny

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  3. Hallo Jenny,

    ein schöner Blog und eine tolle Rezi zu einem Buch, dass mich gerade verfolgt und nun einen festen Platz auf meiner Wunschliste hat.

    Sommerliche Hitzegrüße vom Bodensee
    Kerstin

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    1. Hallo Kerstin,

      vielen Dank!
      Ich hoffe, dass dir das Buch auch gefällt, wenn du es liest. :)

      Liebe Grüße zurück
      Jenny

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