Mittwoch, 5. Juni 2019

[Rezension] Zeit der Eismonde (1) – Anett E. Schlicht

zum Verlag

Titel: Zeit der Eismonde
Autor: Anett E. Schlicht
Verlag: Piper
Erscheinungsdatum: 02. Mai 2019
Einband: eBook
Seiten: 384
ISBN: 978-3-492281-93-5
Preis: 8,99 € [D]

Klappentext
Wispernde Stimmen in der Dunkelheit, Albträume in der Nacht und grausame Visionen am Tag: Der siebzehnjährige Ouwen glaubt, den Verstand zu verlieren. Als ihn eines Nachts ein mysteriöser Fremder aus dem Schlaf reißt und ihn auffordert, unverzüglich mit ihm aus seiner Heimat zu fliehen, fürchtet er, in einem seiner Albträume gefangen zu sein. Doch der Schattenläufer Hayden ist real - genau wie die dunklen Jäger, die Ouwens Spur aufgenommen haben. Und Ouwen weiß, wer ihnen in die Hände fällt, ist für immer verloren …


Einordnung
- Zeit der Eismonde (Teil 1)
- weitere Teile werden folgen

Erster Satz
'Das Rudel lief schnell.'
(Seite 8)

Rezension
Es fällt mir wirklich schwer, meine Meinung zu diesem Buch zu formulieren. Denn ich kann kaum noch auseinander halten, welche Dinge mir tatsächlich nicht gefallen haben und welche Punkte mich nur gestört haben, weil ich das Buch unter der Annahme gelesen habe, es handele sich um einen Einzelband. Natürlich ist es eigentlich nicht dem Buch anzukreiden, dass weder auf der Website des Verlags noch bei NetGalley noch bei Amazon noch sonst irgendwo, abgesehen von der Homepage der Autorin, erwähnt wird, dass es sich um einen Reihenauftakt handelt. Nichtsdestotrotz hat das Gefühl, es würden Seiten in dem Buch fehlen, da ich irgendwie nur die halbe Geschichte erfahren habe, das Lesen nicht gerade zu einem Vergnügen gemacht.

Dass es sich um einen Reihenauftakt handelt, erklärt jedoch zumindest den Mangel an Handlung. Das Buch ist eine einzige sehr langsame Einleitung. Ouwen, um den sich die Geschichte dreht, sieht und hört Dinge, die niemand sonst wahrnimmt. Eines Nachts ist er gezwungen, mit einem Fremden zu fliehen, bevor ihn die Jäger erwischen. Also flieht er. Und das war's. Den Rest des Buches flieht er einem unbekannten Ziel entgegen, wobei von der Flucht selbst kaum etwas berichtet wird. Es wird einfach nur zusammengefasst, dass er mit seinen Begleitern flieht und dass diese ihn unterrichten. Das fand ich ziemlich langweilig. Im Rückblick weiß ich gar nicht, wie das Buch auf so viele Seiten kommen konnte.
Es gibt noch einen zweiten Handlungsstrang, der acht Monate in der Vergangenheit spielt und die Herkunft der Jäger erläutert, aber dieser Teil war zum einen vorhersehbar und zum anderen von Figuren erzählt, von denen ich nicht verstehe, wofür sie überhaupt da sind. 60 Seiten vor dem Ende wurden immer noch neue Erzähler eingeführt, deren Kapitel wirkten als gehörten sie zu einem ganz anderen Buch. Da ich nun weiß, dass es sich um eine Reihe handelt, bin ich sicher, dass die Stränge noch irgendwie zusammen geführt werden, aber in diesem ersten Band haben sie im Grunde keine Berührungspunkte. Es war als würde ich zwei Bücher gleichzeitig immer wechselweise lesen.
Mit dieser wenigen Handlung ging dann auch ein Mangel an Informationen einher. Oft hatte die Geschichte kaum Substanz. Die Schilderungen wirkten zusammenhangslos und sehr lokal auf Ouwens Umgebung begrenzt. Über die Gesamtumstände in der Welt, in der das Buch spielt, weiß ich immer noch fast nichts. Mir sind nach wie vor die Hintergründe unklar. Das liegt zum Großteil wohl daran, dass Ouwen sehr passiv ist. Er folgt seinen Begleitern einfach immer nur, stellt kaum Fragen und wenn doch, dann ignoriert er, dass er keine Antwort darauf bekommt. Immer wird ihm ausweichend geantwortet oder Dinge werden ihm verschwiegen, aber er hakt nie nach. Manchmal war ich mir nicht sicher, ob er überhaupt bemerkt hat, wie sein Begleiter der Frage ausgewichen ist – was schon merkwürdig ist angesichts der Tatsache, dass Ouwen der Erzähler war und Dinge wie „antwortete er ausweichend“ im Text standen.

Womit wir bei meinen recht großen Problemen mit dem Erzählstil wäre. Es handelt sich um eine Mischung aus vielen verschiedenen Perspektiven und einem allwissenden Erzähler. Die Geschichte wird von vielen unterschiedlichen Figuren vorangebracht, von denen einige in der Gegenwart und andere acht Monate zuvor berichten. Dabei wird wild zwischen den Charakteren hin und her gesprungen, um jede Szene auch dann zu Ende erzählen zu können, wenn der aktuelle Erzähler den Ort des Geschehens verlässt. Einige Charaktere berichten daher bloß Bruchstücke eines einzigen Kapitels. Gleichzeitig wirken all diese Erzähler aber auch allwissend, denn immer wieder werden den Leser Hinweise auf Dinge gegeben, die die Charaktere gar nicht bemerken.
Am deutlichsten hängen geblieben ist mir eine Situation, in der Ouwens Haut kribbelt, doch er merkt es nicht. Für mich als Leserin ist das der mehr als offensichtliche Hinweis, dass der Talisman um seinen Hals nicht einfach nur ein Stein ist. Doch wie kann der Erzähler davon erzählen, dass seine Haut kribbelt, ohne dass er das mitbekommt? Mir schien es als sollten dem Leser unbedingt alle Hinweise auf später noch relevante Objekte etc. dargelegt werden, ohne dass die Charaktere dieses Wissen auch schon erlangen. Leider kommt durch diese Hinweise nicht einmal Spannung auf, weil sie meist entweder so offensichtlich sind, dass mit ihnen das Rätsel sofort gelöst wird, oder gleich völlig überflüssig, weil beispielsweise schon vorher nicht zu übersehen war, dass Magie in dem Talisman steckt. Außerdem haben die Charaktere, die sich benehmen als wüssten sie von nichts, während sie in den Formulierungen ihrer Erzählungen aber eindeutig allwissend sind, mich immer wieder aus dem Lesefluss gerissen.

Fazit
Mit diesem Buch habe ich mich sehr schwer getan. Zum Teil lag das daran, dass ich dachte, es handele sich um einen Einzelband, sodass ich das Gefühl hatte, es würde die Hälfte der Geschichte fehlen. Darüber hinaus war das Buch aber auch sehr handlungs- und informationsarm und damit eher langweilig. Außerdem hatte ich das Gefühl, zwei Geschichte gleichzeitig zu lesen durch die unverbundenen Handlungsstränge. Die größten Probleme hatte ich allerdings mit dem Erzählstil, da die Aussagen und Gedanken der Charaktere mit den Formulierungen des restlichen Texts inhaltlich einfach nicht übereinstimmten. „Zeit der Eismonde“ war leider nicht mein Fall und bekommt dafür nur zwei Schreibfedern.

2 Federn

Ich bedanke mich beim Piper Verlag und bei NetGalleyDE für das Rezensionsexemplar.

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