Montag, 30. September 2019

[Rezension] Die sieben Königreiche 1: Die Beschenkte – Kristin Cashore

[Rezension] Die sieben Königreiche 1: Die Beschenkte – Kristin Cashore
zum Verlag

Titel: Die Beschenkte
Autor: Kristin Cashore
Verlag: Carlsen
Erscheinungsdatum: 26. August 2009
Einband: Hardcover
Seiten: 493
ISBN: 978-3-551582-10-2
Preis: 19,90 € [D]

Klappentext
Als Katsa dem geheimnisvollen Prinzen von Lienid begegnet, weiß sie sofort, dass auch er beschenkt ist - sie ist sich nur nicht sicher, mit welcher Gabe. Katsa dagegen ist in allen sieben Königreichen bekannt und gefürchtet: Sie hat die Gabe des Tötens. Nur Bo, der fremde Prinz, scheint keine Angst vor ihr zu haben und ringt beharrlich und mit viel Geduld um ihr Vertrauen. Im Kampf gegen einen König mit einer teuflischen Gabe werden sie auf ihrem gemeinsamen Weg durch Schnee und Eis, über Meere und Gebirgsketten zu Verbündeten - und zu einem leidenschaftlichen, unabhängigen, innigen, streitenden, liebenden Paar.


Einordnung
- Die Beschenkte (Teil 1)
- Die Flammende (Teil 2)
- DieKönigliche (Teil 3)
Da die Bücher unterschiedliche Erzählerinnen haben, sind sie jeweils in sich abgeschlossen.

Erster Satz
'In diesen Verliesen herrschte vollkommene Finsternis, doch Katsa hatte einen Grundriss im Kopf.'
(Seite 9)

Rezension
Dieses Buch war für mich in gewisser Weise eine Wundertüte. Auf der einen Seite hatte ich sehr hohe Erwartungen an das Buch, weil viele meiner Freunde die Reihe geliebt und mir immer wieder ans Herz gelegt haben, ich müsse sie endlich lesen. Auf der anderen Seite hatte ich aber auch die Befürchtung, dass es mir nicht gefallen würde, weil ich mich momentan mit Jugendbüchern sehr schwer tue und das siebzehnjährige Mädchen, das einen geheimnisvollen Jungen trifft, sich unsterblich in ihn verliebt etc. pp., ist das ausgelutschte Klischee, das mir am meisten zum Hals heraushängt. Nachdem ich das Buch nun gelesen habe, bin ich zur Erkenntnis gekommen, dass es wohl nicht das Klischee ist, das mir so unfassbar auf die Nerven geht, sondern die Umsetzung dessen. Die fand ich hier nämlich überraschenderweise so gelungen, dass mir das Buch genauso gut gefallen hat wie meinen Freunden.

Es sind hauptsächlich drei Dinge, aufgrund derer mich die Liebesgeschichte hier nicht nur nicht gestört, sondern mir sogar gefallen hat: Erstens, dass bereits im Klappentext gesagt wird, dass sie ein Paar werden. Die Autorin versucht gar nicht erst, diese Entwicklung als unvorhersehbar darzustellen oder zu tun als würde es Katsa schwer fallen, die Entscheidung zwischen Liebe und Pflicht zu treffen, wo wir doch alle wissen, dass die Protagonistin sich in 99 von 100 Jugendbüchern für die Liebe entscheidet. Dass sich Katsa und Bo ineinander verlieben, ist kein bisschen überraschend und das weiß die Autorin auch, sodass diese Liebe auch nicht verwendet wird, um die Handlung voranzutreiben oder Wendungen zu begründen. Die Offenheit hat mir sehr gefallen.
Zweitens, dass auf ein Liebesdreieck verzichtet wird. Liebesdreiecke funktionieren (fast) nie. Auch hier gibt es Potenzial dafür, aber die Situationen wird schnell, elegant und endgültig gelöst, indem Katsa Bos Konkurrenten mitteilt, dass sie kein Interesse an ihm hat. Dieser muss es akzeptieren und taucht im Verlauf der Geschichte nicht wieder auf. So einfach kann das sein. Tatsächlich habe ich mich so über diese einfache Lösung gefreut, dass ich mich wirklich auf die Gefühle der Figuren füreinander einlassen konnte und sogar Mitleid mit Bos Konkurrenten empfunden habe. Das passiert mir sonst nie.
Und drittens, dass Katsa eine starke, unabhängige Figur bleibt, auch nachdem sie sich verliebt hat. Ihre Gabe macht sie zu einer so guten Kämpferin, dass sie jeden Mann aufs Kreuz legen und ihn deutlich besser beschützen kann als dieser sie. Nichts ist ihr wichtiger als ihre Freiheit und ihre Unabhängigkeit. Sie hat sich geschworen, niemals zu heiraten, um sich niemals abhängig von einem Mann zu machen. Zu diesem Schwur steht sie, auch wenn sie Bo noch so sehr liebt. Und weil Bo das akzeptiert, ihr alle Freiheiten lässt und ehrlich eingesteht, dass sie härter und eine bessere Kämpferin ist als er, funktioniert diese Liebesgeschichte. Katsa bleibt sie selbst, auch als sie die Liebe ihres Lebens an die Seite gestellt bekommt. Das ist in Jugendbüchern so selten, dass ich es gar nicht oft genug erwähnen kann. Eine weibliche Protagonistin, die nichts von ihrer Stärke verliert, als sie sich verliebt.

Als vierten Punkt hätte ich eigentlich noch hinzufügen können, dass die Liebesgeschichte nicht im Vordergrund steht. Die Handlung geht zwischen den großen Gefühlen nicht unter. Darüber bin ich wirklich froh, denn der Rest der Geschichte war wirklich spannend. Gut, es war nicht alles völlig unvorhersehbar, aber ich bin doch immer wieder richtig überrascht worden. Außerdem hat mir gefallen, wie die Spannung langsam aufgebaut wurde, indem sich aus der anfänglichen Suche eines Jungen nach seinem Großvater ein immer größeres Drama entwickelt hat. Katsa wird nicht in etwas Großes hineingeworfen und ist auch nicht zufällig die einzige, die verhindern kann, dass – und so weiter. Sie hilft einfach nur einem Jungen dabei, seinen Großvater zu finden und ein Familienmitglied in Sicherheit zu bringen. Dass ihr dabei ein König im Weg steht und kein Bäcker, macht die Geschichte einfach nur packender.
Möglicherweise ist dieser kleine Rahmen, der nichts mit den üblichen Rebellionen in Jugendbüchern zu tun hat, der Grund dafür, dass das Buch auch als Einzelband wunderbar funktioniert. Tiefe und Erklärungen sowie Details sind vorhanden, gleichzeitig wird die Geschichte aber ausführlich und rund mit Ausblick in die Zukunft zu Ende gebracht. Kristin Cashore zeigt, dass es möglich ist, Fantasygeschichten in einem einzigen Band zu erzählen, ohne dass bei der Handlung, bezüglich der Tiefe oder am Ende Abstriche gemacht werden müssen. Ja, es gibt noch zwei Bücher, die in dieser Welt spielen, aber sie erzählen die Geschichten anderer Personen. Zwar gibt es wohl ein Wiedersehen mit bekannten Personen, aber Katsas Geschichte ist am Ende dieses Buches absolut zufriedenstellend abgeschlossen.

Fazit
Dieses Buch gehört wohl zu meinen Jahreshighlights. Protagonistin Katsa ist eine starke, unabhängige Figur und bleibt dies, auch als sie ihr Herz verliert. Deshalb und weil die Autorin gar nicht erst versucht hat, so zu tun als käme die Liebesgeschichte überraschend, hat mir diese wirklich gut gefallen. Im Vordergrund steht in diesem Buch aber die spannende Handlung, die klein beginnt und sich dann zu einem immer größeren Drama entwickelt, das nichtsdestotrotz bis zum Schluss privater Natur bleibt. Es war erfrischend, dass Katsa nicht zur Schlüsselfigur in einer Rebellion gemacht wurde, sondern allein ihren eigenen Weg geht. Beeindruckt hat mich auch, dass das Buch als Einzelband funktioniert. Die Erzählung wird nie oberflächlich oder die Handlung grob zusammengefasst, während gleichzeitig trotzdem genug Platz für ein rundes, abschließendes Ende bleibt. „Die Beschenkte“ hat mir richtig, richtig gut gefallen und bekommt dafür alle fünf Schreibfedern.

5 Federn

Kommentare:

  1. Hallo liebe Jenny,

    oh wow, was für eine tolle Rezension, die dieses Buch und vor allem auch die Liebesgeschichte sehr, sehr treffend beschreibt, sodass ich mich dem eigentlich nur anschließen kann.
    Ich habe das Buch mittlerweile zwei Mal gelesen und mag es auch sehr gerne, auch aufgrund der vielen Aspekte, die du ja bereits in deiner Rezension nennst. ^^

    Liebe Grüße
    Dana von Buchtraumwelten

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    Antworten
    1. Hallo Dana,

      vielen Dank. :) Es freut mich sehr, dass dir das Buch auch so gut gefallen hat und dass du mit der Rezension überein stimmst. Ich habe tatsächlich eigentlich nur gute Stimmen zu dem Buch gehört bisher. :D Das wird auf jeden Fall nicht das letzte Mal gewesen sein, dass ich dieses Buch gelesen habe. Ich bin schon gespannt, ob mir der zweite Band genauso gefallen wird.

      Liebe Grüße zurück
      Jenny

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