Sonntag, 15. Dezember 2019

[Rezension] Wunder einer Winternacht – Marko Leino

[Rezension] Wunder einer Winternacht – Marko Leino
zum Verlag

Titel: Wunder einer Winternacht
Autor: Marko Leino
Verlag: Rowohlt
Erscheinungsdatum: 02. November 2009
Einband: Softcover
Seiten: 278
ISBN: 978-3-499248-46-7
Preis: 9,99 € [D]

Klappentext
Hoch oben im Norden lebt der kleine Nikolas. Als er durch einen tragischen Unfall zur Waise wird, nimmt das ganze Dorf sich seiner an. Ein Jahr lang darf Nikolas bei jeder Familie bleiben. Wenn der Weihnachtsabend naht, muss er weiterziehen.
Voller Dankbarkeit schnitzt Nikolas Jahr für Jahr Geschenke für „seine“ Familie. Als er zum bösartigen Tischlermeister Lisakki in die Lehre kommt, scheint sein Glück vorbei. Der bärbeißige alte Mann hasst Kinder ...


Einordnung
Das Buch ist kein Teil einer Reihe.

Erster Satz
'Es war ein heißer Nachmittag im Spätsommer.'
(Seite 7)

Rezension
Der erste Satz des Buches ist der ungewöhnlichste Beginn einer Weihnachtsgeschichte, den ich jemals gelesen habe. Auf jeden Fall ein geschickter Schachzug, denn so war ich gleich noch neugieriger auf die Geschichte. Der Grund für diesen merkwürdigen Beginn ist, dass die Geschichte in zwei Zeitebenen spielt: Die Erzählung, wie Nikolas vor vielen, vielen Jahren zum Weihnachtsmann wurde, ist eingebettet in eine kleine Rahmenhandlung, die zur heutigen Zeit spielt. Zwei Jungen sind bei ihrem Großvater zu Besuch und er erzählt ihnen Nikolas Geschichte. Nicht nur über die Erzählung an sich, sondern auch über Gegenstände und andere Aspekte wird dabei eine Brücke zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart geschlagen. Dadurch fühlt sich die Geschichte an wie echtes Zeitgeschehen.

Das ist auch der Punkt, der mir an dieser Geschichte besonders gefallen hat: Dass sie, abgesehen von einigen Details am Ende, tatsächlich wahr sein könnte. Es ist eine auf der Logik und den Gesetzen unserer Welt basierende Geschichte. Magie, Wichtel und andere fantastische Elemente, die normalerweise in keiner Weihnachtsgeschichte fehlen, spielen hier keine Rolle. Der kleine Nikolas ist ein ganz normaler Mensch, der mit seinen eigenen Händen und der Technik seiner Welt Weihnachtsgeschenke herstellt und sie des Nachts persönlich vor den Türen seiner bisherigen Pflegefamilien ablegt. Das Buch erzählt, wie dieses Unterfangen immer größere Ausmaße annimmt, wie Nikolas diese Schwierigkeiten bewältigt und wie es dazu kam, dass heutzutage Eltern die Geschenke unter den Baum legen. Es hat mich sehr beeindruckt, wie der Autor eine Weihnachtsgeschichte erzählt hat, an die auch diejenigen glauben können, die wissen, dass es den Weihnachtsmann nicht wirklich gibt, weil das Buch als Tatsachenbericht und nicht als Fantasy-Geschichte konzipiert ist.

Obwohl mir die Geschichte insgesamt gut gefallen hat, gab es einzelne Aspekte, insbesondere am Anfang, die mich nicht restlos überzeugen konnten oder an die ich mich erst gewöhnen musste. Zum einen ist das der Name des Protagonisten: Nikolas. Es ist nicht die erste Weihnachtsgeschichte, die ich lese, in der der Protagonist Nikolas heißt. Und auch diesmal hatte ich am Anfang wieder Schwierigkeiten, mich daran zu erinnern, dass es in dem Buch um den Weihnachtsmann geht und nicht um den Nikolaus.
Außerdem muss ich gestehen, dass mir die Geschichte an manchen Stellen fast schon zu traurig war. Nikolas muss sehr viel durchmachen in seinem Leben und das geht nicht spurlos an ihm vorbei. Teilweise wird er regelrecht depressiv und in diesen Momenten ging die märchenhafte Weihnachtsstimmung ziemlich verloren. Für mich ist die Advents- und Weihnachtszeit eigentlich immer eine fröhliche Zeit, in der ein Buch mit so vielen traurigen Momenten beinahe die Stimmung ein wenig verdirbt.

Fazit
Obwohl ich anfangs Schwierigkeiten mit dem Namen des Protagonisten hatte und mir das Buch an einigen Stellen fast schon zu traurig war, hat es mir gut gefallen. Es schlägt geschickt eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart, sodass sich die Geschichte anfühlt wie echtes Zeitgeschehen. Dazu trägt auch bei, dass der Autor im Grunde auf Magie und dergleichen verzichtet und stattdessen eine Geschichte erzählt, die auch nach der Logik unserer Welt wirklich wahr sein könnte. „Wunder einer Winternacht“ erzählt eine Weihnachtsgeschichte, an die auch Erwachsene glauben können, und bekommt dafür vier Schreibfedern.

4 Federn

2 Kommentare:

  1. Hallo Jenny,

    ich hab das Buch vor ein paar Jahren als Adventskalenderbuch gelesen, weil ich sehr viel positives davon gehört habe. Ich fand es leider eher mittelmäßig und mochte den Film tatsächlich viel lieber. Dieses Jahr habe ich es nicht geschafft ihn anzuschauen, aber das wäre auf jeden Fall ein Kandidat für einen Weihnachtsfilm den ich jedes Jahr gucken könnte.

    An die Geschichte aus der Gegenwart kann ich mich gar nicht mehr erinnern :D Im Film wird das komplett weggelassen.

    Das es keine Fantasygeschichte ist, schätze ich an der Geschichte auch sehr. Ich bin ja nicht so der Fan von Fantasy. Der Weihnachtsmann ist nicht einfach immer schon da gewesen, sondern ist die Entwicklung einer Reihe verschiedener Ereignisse.

    Im Gegensatz zur Story an sich mag ich das Cover sehr und schaue es immer wieder gern an, wenn ich es irgendwo sehe. Mir ist damals nämlich gar nicht aufgefallen, dass sich Nikolas als Weihnachtsmann im Eis spiegelt. Das habe ich erst geschnallt, als ich das Buch beendet hatte :D

    Liebe Grüße
    Julia

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    Antworten
    1. Hey Julia,

      schade, dass dir das Buch nicht so zugesagt hat. Ich mochte es echt gerne - allerdings kenne ich den Film auch noch nicht. Es hat sich irgendwie nicht ergeben, den mal zu schauen. Muss ich Weihnachten 2020 noch mal versuchen. :D

      Ich mag Fantasy schon total gerne. Von daher begeistern mich auch Weihnachtsbücher, in denen Magie etc. vorkommen. Solange sie sich noch voneinander unterscheiden. Die Weihnachtsbücher von Matt Haig fangen nämlich genauso an wie "Wunder einer Winternacht", der Protagonist heißt auch Nikolas etc. Aber dann entwickeln sich die Bücher zum Glück doch noch sehr unterschiedlich.

      Das Cover mag ich tatsächlich auch - mir ist das mit der Spiegelung tatsächlich direkt aufgefallen, weil ich so was sehr mag. :D Besonders bezeichnend finde ich, dass mir das Cover gefällt, obwohl es lebensechte Abbildungen von Menschen enthält. Das mag ich normalerweise gar nicht. Nur Gesichter sind noch schlimmer. :D

      Liebe Grüße zurück
      Jenny

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