Sonntag, 29. März 2020

[Rezension] Das Haus der tausend Welten – T. S. Orgel

[Rezension] Das Haus der tausend Welten – T. S. Orgel
zum Verlag

Titel: Das Haus der tausend Welten
Autor: T. S. Orgel
Verlag: Heyne
Erscheinungsdatum: 10. Februar 2020
Einband: Softcover
Seiten: 577
ISBN: 978-3-453319-79-0
Preis: 14,99 € [D]

Klappentext
Das Leben in den verwinkelten Gassen Atails ist hart, vor allem, wenn man nicht zu einer der großen Magierfamilien gehört. Die Straßenzauberin Stern schlägt sich mehr schlecht als recht durchs Leben, als ihr eines Tages der Schlüssel zum Haus der tausend Welten in die Hände fällt, das einst der Sitz der Magiergilde war. Der Legende nach soll es unendlich viele Räume beherbergen, gefüllt mit Schätzen und Artefakten, die selbst aus einfachen Zauberern die mächtigsten Magier der Welt formen können. Gemeinsam mit ihren Gefährten Fuchs, Ako, Baelis und Salter macht Stern sich auf den Weg dorthin. Aber sie sind nicht die Einzigen, die die Geheimnisse des Hauses ergründen wollen. Noch ahnen die Schatzsucher nicht, was im Inneren des Hauses wirklich auf sie wartet ...


Einordnung
Das Buch ist kein Teil einer Reihe.

Erster Satz
'Das Haus der Aufgehenden Sonne hatte tausend Arten, jemanden zu töten.'
(Seite 7)

Rezension
Für diese Rezension habe ich gerade den Klappentext des Buches noch mal gelesen und verwirrt festgestellt, dass einige Dinge nicht stimmen oder einen sehr falschen Eindruck hervorrufen. Zum Glück habe ich ihn nicht noch mal gelesen, bevor ich das Buch angefangen habe. Sonst wären bei mir einige Erwartungen geweckt worden, die das Buch dann gar nicht erfüllt. Beispielsweise erweckt der Klappentext den Eindruck als sei Stern die Protagonistin. Das ziehe ich jedoch stark in Zweifel. Zum einen, weil sie im Gegensatz zu den meisten anderen Charakteren nie die Erzählperspektive übernimmt, zum anderen, weil sie zwar eine Gruppe anführt, die das Haus betritt, ansonsten für die Geschichte selbst aber kaum eine Rolle spielt. Ich finde es daher sehr irreführend, wie der Klappentext um sie herum aufgebaut ist. Ganz abgesehen von der Tatsache, dass Baelis und Salter gar nicht zu ihren Gefährten gehören, sondern zu anderen Gruppen, sodass sie sich irgendwann im Laufe der Handlung das erste Mal treffen. Letztlich tut das dem Buch keinen Abbruch, weil ich den Klappentext erst im Nachhinein gelesen habe, aber erwähnenswert finde ich es trotzdem, gerade auch um andere Leser vor falschen Erwartungen zu warnen.

Zum Buch selbst muss ich sagen, dass ich mich am Anfang sehr schwer getan habe. Das erste Fünftel, immerhin über 100 Seiten, befasst sich im Grunde nur mit der Vorstellung der Charaktere. Die ersten fünf Kapitel werden von vier unterschiedlichen Personen erzählt und der Prolog zuvor von noch einer anderen Figur. Grundsätzlich habe ich kein Problem mit verschiedenen Erzählperspektiven in einem Buch, aber hier dauerte es einfach ewig, bis die Beschreibungen von Handlung abgelöst wurden. Da die Figuren unterschiedlichen Berufen nachgehen, nämlich Dieb, Heilerin, Magier und Söldnerin, und unterschiedlicher Herkunft sind, wodurch Geographie, Gesellschaftssysteme, Religionen etc. in verschiedenen Teilen der Nation vorgestellt werden, ist der Anfang des Buches sehr zäh. Teilweise hatte ich das Gefühl als hätte ich gerade von fünf unterschiedlichen Büchern jeweils das erste Kapitel gelesen. Da die Figuren jeweils auch noch mit anderen namentlich genannten Personen interagieren, gab es bereits am Anfang eine solche Flut aus Namen, dass ich mir nicht einmal mehr sicher war, wie viele Erzähler es denn nun eigentlich gab. Ganz zu schweigen davon, dass ich die Namen der anderen Figuren dem jeweiligen Erzählstrang überhaupt nicht zuordnen konnte. Jedes Mal, wenn die Perspektive wechselte, musste ich eine ganze Weile darüber nachdenken, um welche Person es jetzt geht und welche der vorherigen Kapitel ihr zugeordnet waren. Mit der Zeit wurde es besser, weil ich die Namen langsam gelernt habe und weil viele Charaktere gestorben sind, sodass es grundsätzlich weniger Figuren wurden.

Trotzdem muss ich zu den vielen Figuren und Perspektiven sagen, dass ich die Überlegung dahinter verstehe. Die Charaktere betreten bald das Haus der Aufgehenden Sonne, sodass weitere Beschreibungen der Welt und der Umstände außerhalb des Hauses schwierig unterzubringen wäre, weshalb die vielen Beschreibungen vermutlich alle an den Anfang geschoben wurden. Außerdem bieten sich durch die unterschiedlichen Perspektiven viele Möglichkeiten, die Wunder des Hauses zu beschreiben, ohne eine Gruppe von Figuren durch alle skurrilen Räume und tödliche Gefahren hetzen zu müssen. Nachdem ich die Charaktere und ihre Gruppen einmal auseinanderhalten konnte, hat mir diese Umsetzung sehr gefallen, weil dadurch viele verschiedene Räume besucht wurden. Ich fand dieses magische Haus mit seinen unmöglichen Zimmern wirklich faszinierend. Hin und wieder werden die Erzählstränge miteinander verknüpft, indem Räume durchquert werden, indem schon andere Gruppen waren, oder indem die Figuren auf Wesen treffen, die eine andere Gruppe bereits terrorisiert haben. Dadurch gibt es bei den Handlungssträngen schon auf dem Weg zum großen Finale immer wieder Berührungspunkte.

Nachdem ich mich einmal halbwegs unter den Charakteren zurechtgefunden habe, fand ich die Geschichte an sich richtig interessant. Die Idee hinter allem und die Reise durch die unzähligen Räume des Hauses war wirklich spannend. Worauf alles hinauslaufen würde, wusste ich zwar schon relativ bald, aber das hat der Spannung nicht geschadet, weil ich die Rollen der einzelnen Figuren meist nicht vorhersehen konnte. Irgendwo bin ich dann doch immer wieder überrascht worden. Zum Teil liegt auch das wieder an meiner Verwirrung über die vielen Perspektiven und Charaktere. An einem Punkt wurden Hintergründe zu einer Figur offenbart, was ich aber nach zehn oder elf Seiten erst gemerkt habe. Für mich war praktisch fast unvorhersehbar, wer welche Motive und welches Ziel hat, weil ich schon beschäftigt genug damit war, die Figuren überhaupt auseinanderzuhalten. An diesem Punkt hat mich das allerdings nicht mehr gestört, weil es mir einige Überraschungen beschert hat, die sehr geschickt vorbereitet wurden und die ich wirklich nicht haben kommen sehen.

Fazit
Der Anfang des Buches war sehr zäh. Es wird aus vielen unterschiedlichen Perspektiven erzählt, wobei zunächst alle Figuren inklusive Herkunft etc. vorgestellt werden. Diese Vorstellungsphase dauert mehr als 100 Seiten, wonach dann endlich die Handlung wirklich beginnt. Ab dann fand ich die Geschichte aber spannend. Die vielen Perspektiven haben durchaus ihren Sinn und werden auch immer wieder miteinander verknüpft. „Das Haus der tausend Welten“ war nach dem langwierigen Einstieg ein spannendes, interessantes Buch mit einer sehr coolen Idee und bekommt dafür vier Schreibfedern.

4 Federn

Ich bedanke mich beim Heyne Verlag für das Rezensionsexemplar.

Kommentare:

  1. Huhu Jenny :)

    Ich hab das Buch ja auch schon gelesen und bin in vielerlei Hinsicht deiner Meinung (auch wenn ich tatsächlich einen Stern mehr abgezogen habe).
    Den Einstieg fand ich auch sehr lang - klar kann ich nachvollziehen, warum es gemacht wurde, aber es braucht halt doch ziemlich lange, bis sich ein Lesefluss eingestellt hat. Und die Figuren konnte ich mir auch nicht alle merken.

    Aber mit Fortschreiten hat mich das Buch auch mehr als überraschen können. Gerade die Entwicklungen am Ende fand ich genial gemacht, darauf konnte man ja gar nicht kommen. Von der Idee her wirklich genial :D

    Beim Klappentext muss wohl der Verlag so entschieden haben. Einer der Autoren meinte, dass sie das nicht unbedingt gewollt haben - da es eben auch nicht ganz den Inhalt widerspiegelt. Bei mir hat es nämlich leider ein bisschen falsche Erwartungen geweckt. Aber nichtsdestotrotz ein tolles Buch :)

    Lieben Gruß
    Andrea

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    1. Hey Andrea,

      da stimme ich dir zu. Ich verstehe auch, warum dieser Einstieg gewählt wurde, aber ich mag es tatsächlich lieber, wenn die Welt parallel zur Handlung erklärt wird. Und die Figuren nicht einfach ein bisschen herumstolpern, damit Zeit ist, die Welt zu erklären.

      Die Entwicklung am Ende, also welchen Sinn der ganze Ausflug hat, fand ich tatsächlich schon vorhersehbar. Also mir war klar, was sie erwarten würde, wenn sie oben ankommen. Und nachdem ich in der Mitte des Buches einmal die Identität der einen Figur erkannt hatte, war mir auch klar, wer dahinter steckt. Aber ich fand es trotzdem spannend, weil da andere Figuren waren, die ich nicht einschätzen konnte. :D

      Schade, dass die Autoren kein Mitspracherecht beim Klappentext hatten. Das hätte einigen Lesern die Verwirrung erspart. Und einige Leser vielleicht doch zu Käufen animiert. Ich habe nämlich, ehrlich gesagt, lange gezögert, ob ich das Buch lesen will, weil ich mir weiblichen Protagonisten häufig nicht so zurecht komme. Und da es klingt als ginge es in diesem Buch um Stern, wäre es mir beinahe entgangen. Nun ja, vielleicht können wir Blogger ja ein wenig dazu beitragen, die Leute darauf hinzuweisen.

      Liebe Grüße zurück
      Jenny

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  2. Hallo Jenny, :)
    wow, also das Buch klingt ja wirklich interessant und auch dass es dich nach einer Weile fesseln konnte, ist echt toll. :) Allerdings weiß ich nicht, ob ich es wirklich 100 Seiten aushalten würde, nur eine Einführung zu lesen. Da verliere ich schnell das Interesse, gerade, wenn man die Charaktere dann nicht mal wirklich auseinander halten kann und froh ist, dass welche sterben. :D
    Schade, denn die Idee klingt wirklich gut, auch wenn der Klappentext ja nicht so ganz zu stimmen scheint.^^

    Liebe Grüße
    Marina

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    1. Hey Marina,

      der Anfang hat sich leider wirklich ziemlich gezogen, sodass man die ersten 100 Seiten tatsächlich 'überstehen' musste. Es gab schon Handlung, aber ziemlich wenig. Aber wer weiß, vielleicht interessiert und fesselt dich ja auch der Einstieg schon, das ist ja immer subjektiv. :D Normalerweise habe ich nichts gegen langsame Entwicklung, nur hat das für mich hier irgendwie nicht funktioniert.

      Liebe Grüße zurück
      Jenny

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  3. Hallo liebe Jenny,

    es freut mich, dass dich das Buch überzeugen konnte! Bei mir war es leider nicht der Fall, ich bin bis zum Schluss nicht wirklich in die Handlung hereingekommen und mit den Charakteren warmgeworden. :/
    Den Klappentext fand ich allerdings auch extrem irreführend, zumal Stern ja im Endeffekt eine ganz andere Rolle spielt, als dieser vermuten lässt, was mich auch ein bisschen irritiert hat. xD
    Und ja, die Handlung braucht ewig, um ins Rollen zu kommen, und die Namen konnte ich leider bis zum Schluss nicht wirklich zuordnen. :x

    Liebe Grüße
    Dana

    PS: Ich veranstalte am Wochenende einen Lesemarathon und würde mich freuen, wenn du Lust hättest, mitzumachen. :)

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    1. Hey Dana,

      schade, dass dich das Buch nicht überzeugt hat. Bei mir ging es mit den Namen tatsächlich ganz gut, nachdem erst mal ein paar Leute gestorben waren. Gerade Fuchs Kapitel waren ja doch ziemlich vollgestopft mit Namen.
      Und ich stimme dir zu, dass der Klappentext ziemlich irreführend ist. Beinahe hätte ich das Buch wegen des Klappentexts gar nicht gelesen, weil ich mich mit weiblichen Protagonisten immer schwer tue. Und dann war Stern nur eine Nebenfigur... Das ist mir auch schon lange nicht mehr untergekommen, dass der Klappentext so am Buch vorbei geht.

      Liebe Grüße zurück
      Jenny

      PS: Ich hatte das Wochenende leider viel zu tun, sodass ich nicht wirklich Zeit zum Lesen hatte, aber danke für die Einladung! Nächstes Mal schaffe ich es vielleicht. :)

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