Donnerstag, 28. Mai 2020

[Rezension] Die Kunst des Krieges – Sun Tsu

[Rezension] Die Kunst des Krieges – Sun Tsu
zum Verlag


Titel: Die Kunst des Krieges

Originaltitel: The Art of War (engl.)
Autor: Sun Tsu
Übersetzer: unbekannt
Verlag: Nikol
Erscheinungsdatum: 01. Januar 2008
Einband: Hardcover
Seiten: 157
ISBN: 978-3-937872-87-2
Preis: 4,95 € [D]


Klappentext

„Die Kunst des Krieges“ veranschaulicht, wie man Initiative ergreifen und den Feind bekämpfen kann – jeden Feind. Die Einsichten, die der chinesische Philosoph und General Sun Tsu bereits vor 2500 Jahren niederschrieb, haben bis heute nichts von ihrer Aktualität und Gültigkeit verloren.

[ Nikol ]


Einordnung

Das Buch ist kein Teil einer Reihe.


Erster Satz

'Sunzi schrieb dieses außergewöhnliche Buch vor zweieinhalbtausend Jahren in China.'
(Seite 7)


Rezension

Nachdem ich in letzter Zeit häufiger Bücher mit mittelalterlichen Settings gelesen habe, in denen Schlachten und Kriegsstrategien eine wichtige Rolle spielten, hatte ich große Lust, das wohl bekannteste Buch zur Kriegsführung zu lesen. Es hat sich sehr schnell herausgestellt, dass ich nach Sun Tsus Vorstellungen ein schlechter General wäre. Und da kann ich ihm nur zustimmen. Ziel der Kriegsführung nach Sun Tsu ist der Sieg. Diesem Ziel wird alles andere untergeordnet: Eigene Verbände werden geopfert, wenn dies den Sieg garantiert. Selbst die kleinste Verfehlung der eigenen Leute wird mit Enthauptung bestraft, um die Disziplin eisern aufrecht zu erhalten. Es wird beim Volk des Feindes, selbst wenn es Zivilisten sind, geplündert, um die Armee zu ernähren, ohne das eigene Volk auszuhungern. „Menschlichkeit und Gerechtigkeit sind die Prinzipien, nach denen ein Staat geführt wird, doch nicht die Armee; Opportunismus und Flexibilität dagegen sind militärische und keine zivilen Tugenden“ (S. 33), sagt Sun Tsu dazu. Rational betrachtet verstehe ich diese Überlegungen durchaus und stimme zu, dass sie notwendig sind oder sein können, um den Sieg zu erlangen. Emotional betrachtet würde ich aber niemals meine eigenen Leute opfern können. Da ich mich beim Lesen des Buches immer so ein bisschen in die Rolle des Generals versetzt habe, um zu sehen, welche Ideen und Gedankenprozesse Sun Tzus Vorschläge auslösen, war das für mich wirklich richtig, richtig harte Lektüre. Sehr interessant und ich habe einiges mitnehmen können, aber es ist schon besser, dass ich kein General bin.

Darüber hinaus muss ich sagen, dass ich wohl mit den falschen Erwartungen an das Buch herangegangen bin. Ich hatte gehofft, mehr über Manöver und taktisches Verhalten in einer Schlacht zu lernen. „Die Kunst des Krieges“ versucht dem Leser aber die Mentalität zu vermitteln, die notwendig ist, um einen ganzen Krieg zu gewinnen. Es geht fast ausschließlich um Grundsätzliches: Dass Wetter, Tageszeit und Terrain genauso wichtig sind wie Disziplin und klare Strukturen; aus welchen Quellen Spione bezogen werden können; wann anzugreifen ist und wann nicht. Die Umsetzung in einer konkreten Schlacht wird dagegen, abgesehen davon, dass man Hügel immer hinter sich haben und dem Feind auch bei Umzingelung ein Schlupfloch lassen soll, gar nicht erwähnt. Das hat mich ein wenig enttäuscht, denn so weiß ich mit dem Großteil des Buches relativ wenig anzufangen. Vielleicht fehlt mir Erfahrung, vielleicht fehlt mir Kreativität, aber der Hinweis, dass ich eine Kriegslist anwenden soll, ohne auch nur eine Andeutung zu machen, wie diese List denn aussehen könnte, hilft mir nicht wirklich weiter. Das Buch war mir einfach nicht konkret genug.

Aus diesem Grund stammen die Passagen, die mir am dem Buch wohl am besten gefallen haben, gar nicht von Sun Tsu selbst, sondern sind eingefügte Notizen von Lionel Giles, der das Buch 1910 aus dem altchinesischen Original ins Englische übertragen hat. Bei diesen Notizen handelt es sich um kurze geschichtliche Anekdoten, die eine Umsetzung der von Sun Tsu geschilderten Aspekte beinhalten. Giles hat aus vielen Schriften, die hunderte Jahre asiatischer Kriege dokumentieren, passende Beispiele ausgewählt, um beispielsweise zu zeigen, wie deutlich unterlegene Armeen gewinnen, weil sie mit dem Mute der Verzweiflung kämpfen, da der Feind ihnen keinen anderen Ausweg gelassen hat. Diese konkreten Beispiele, die mir in Sun Tsus Originaltext fehlen, haben mich zumindest einiges aus diesem Buch mitnehmen lassen. Ich fand es sehr interessant, auf welche Weise siegreiche Generäle Sun Tsus Worte interpretiert und welche Kriegslisten sie angewendet haben. Wirklich gelernt habe ich von diesem Buch genau an den Stellen, an denen praktische Beispiele und Sun Tsus theoretischer Hintergrund verknüpft wurden.


Fazit

Meine Erwartungen an das Buch waren nicht ganz richtig. Es geht um Grundsätzliches und den theoretischen Hintergrund der Kriegsführung, nicht um konkrete Strategien und Taktiken für eine Schlacht. Vieles war mir daher viel zu abstrakt. Nur die in dieser speziellen Übersetzung hin und wieder eingefügten praktischen Beispiele für die Umsetzung haben mich etwas mitnehmen lassen. Diese Verknüpfung von Theorie und Praxis war interessant und lehrreich. „Die Kunst des Krieges“ hat mir fast ausschließlich durch die Anmerkungen des Übersetzers Wissen vermitteln können, sodass ich drei Schreibfedern vergebe.

3 Federn

2 Kommentare:

  1. Hallo Jenny,

    hm, hm, also, was ich daraus für den Beruf mitnehmen soll, ist mir jetzt auch nicht klar. Ich kann ja schlecht Mitarbeiter köpfen oder die Kunden vernichten. Das Buch wird tatsächlich laufend im beruflichen Kontext empfohlen. Ob es diese Menschen wirklich selbst gelesen haben? Wo nehme ich im Büro einen Hügel her?

    Vielleicht werfe ich trotzdem mal einen Blick rein, wobei ich dieses Vorhaben schon jahrelang auf meiner Vielleicht-Liste herumtrage. ^^ Mal abwarten.

    Liebe Grüße,
    Nicole

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    1. Hey Nicole,

      wow, die Antwort hat jetzt lange auf sich warten lassen. xD

      Ich könnte mir vorstellen, dass die Leute in der Lage sind, den Inhalt des Buches auf andere Situationen zu übertragen. Den Hügel hinter dir also so im Sinne von "fange das Streitgespräch nur an, wenn du in der besseren Position bist" oder so. Aber mir ist diese Transferleistung bei den meisten Sachen nicht gelungen... Na ja, vielleicht klappt es bei dir ja besser!

      Liebe Grüße und ein schönes Wochenende
      Jenny

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