Dienstag, 5. Mai 2020

[Rezension] Sherlock Holmes 9: Sherlock Holmes' Buch der Fälle – Arthur Conan Doyle

zum Verlag

Titel: Sherlock Holmes' Buch der Fälle
Autor: Arthur Conan Doyle
Verlag: Insel
Erscheinungsdatum: 26. November 2007
Einband: Softcover
Seiten: 369
ISBN: 978-3-458350-21-7
Preis: 10,00 € [D]

Klappentext
»Ich fürchte, dass es Mr. Sherlock Holmes wie einem jener beliebten Tenöre ergehen wird, die, obschon ihre Zeit vorbei ist, immer wieder in Versuchung geraten, ihrem nachsichtigen Publikum noch eine allerletzte Abschiedsvorstellung zu geben. Einmal muss dies freilich ein Ende haben, und er muss den Weg allen Fleisches, einerlei ob es real oder erfunden ist, gehen«. Doyle's letzter Erzählband mit zwölf Geschichten des grandiosen Detektivs und seinem Vorwort zu der Ausgabe von 1927.


Einordnung
Die Sammelausgabe gibt die Bücher in der folgenden Reihenfolge an, auch wenn die inhaltliche Chronologie nicht immer ganz stimmt:
- Eine Studie in Scharlachrot (Teil 1; Roman 1)
- Das Zeichen der Vier (Teil 2; Roman 2)
- Die Abenteuer des Sherlock Holmes (Teil 3; Kurzgeschichten 1)
- Die Memoiren des Sherlock Holmes (Teil 4; Kurzgeschichten 2)
- Der Hund der Baskervilles (Teil 5; Roman 3)
- Die Rückkehr des Sherlock Holmes (Teil 6; Kurzgeschichten 3)
- Das Tal der Angst (Teil 7; Roman 4)
- Seine Abschiedsvorstellung (Teil 8; Kurzgeschichten 4)
- Sherlock Holmes' Buch der Fälle (Teil 9; Kurzgeschichten 5)

Erster Satz
Jetzt kann es keinen Schaden mehr anrichten“, lautete Mr. Sherlock Holmes' Kommentar, als ich wohl zum zehnten Mal in ebenso vielen Jahren seine Einwilligung erbat, die folgende Geschichte zu enthüllen.
(Seite 4)

Rezension
Kann Spoiler bezüglich der ersten acht Teile enthalten!

Für seinen finalen Sammelband mit Kurzgeschichten rund um den Detektiv Sherlock Holmes und seinen Begleiter, Dr. Watson, hat sich Doyle noch einmal etwas Besonderes ausgedacht: Zum ersten Mal werden die Fälle nicht ausschließlich von Dr. Watson geschildert. Zweimal hat Sherlock Holmes selbst zur Feder gegriffen, einmal übernimmt ein auktorialer Erzähler das Wort.

Ersteres hat mir richtig gut gefallen. Auf die Schilderung des Falls selbst wirkt es sich kaum aus, ob die Niederschrift von Dr. Watson oder von Holmes persönlich stammt. Aber die vielen kleinen, persönlichen Kommentare haben ihren ganz eigenen Charme und sorgen für viel Amüsement. Ich fand es wirklich witzig, wie Holmes sich beim Verfassen seines eigenen Texts darüber beschwert, wie er ihn verfasst und dass er das Pferd von hinten aufzäumen muss, um die Spannung aufrecht erhalten zu können. Wie Holmes seine Erzählung mittendrin unterbricht, um darüber zu jammern, dass unterhaltsame Falldarstellung seinem geradlinigen Vorgehen widerspricht, hat mich mehrfach zum Lachen gebracht.

Dass mich gerne die persönlichen Anmerkungen und Kommentare so überzeugt haben, ist wohl auch der Grund dafür, warum ich mit der Geschichte, die von einem auktorialen Erzähler geschildert wird, wenig anfangen konnte. Die schlichte Sachlichkeit hat mich nicht überzeugen können. Mir fehlten in der Geschichte Spannung, Drama und Persönlichkeit. Die Fälle, die von einer Figur, sprich Dr. Watson oder Sherlock Holmes, erzählt wurden, haben mich durch die Emotionen, Meinungen und genauen Beobachtungen viel mehr mitreißen können als die handlungsbezogene Schilderung von außerhalb.
Darüber hinaus gab es noch einen weiteren Fall, mit dem ich nicht viel anfangen konnte und der aus dem typischen Schema herausfällt: Ein Fall, in dem keine Deduktionen notwendig waren. Mir haben schon in den Romanen die Rückblicke, in denen lediglich erzählt und nicht deduziert wird, nicht gefallen. Diesmal ist Holmes zwar wenigstens anwesend, aber er besucht lediglich eine Klientin, die ihm die Wahrheit über ein lange zurückliegendes Ereignis, das in den Büchern bisher nie erwähnt wurde, schildern möchte. Sie erzählt die Geschichte und Holmes geht wieder. Das war irgendwie langweilig. Und es hat mir deutlich gemacht, dass ich bei allen Geschichten rund um Sherlock Holmes neben den persönlichen Kommentaren vor allem die beeindruckenden Schlussfolgerungen seines brillanten Verstands packend und mitreißend fand.

Fazit
Überraschenderweise werden die Geschichten in diesem finalen Band nicht ausschließlich von Dr. Watson erzählt. Dass Sherlock Holmes auch selbst die Feder in die Hand nimmt, hat mir gut gefallen, weil seine persönlichen Kommentare immer amüsant waren. Mit der Erzählung des auktorialen Erzählers konnte ich dagegen wenig anfangen, weil die Außensicht Spannung und Persönlichkeit vermissen lassen hat. Auch die Geschichte, in der Holmes gar keine Deduktionen anstellen muss, hat mich enttäuscht, weil er ziemlich langweilig war. „Sherlock Holmes' Buch der Fälle“ war zum Teil mitreißender und zum Teil langweiliger als die anderen Sherlock Holmes Kurzgeschichtensammlungen und bekommt dafür drei Schreibfedern.

3 Federn

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