Sonntag, 23. August 2020

[Rezension] Rowan & Ash: Ein Labyrinth aus Schatten und Magie – Christian Handel

[Rezension] Rowan & Ash: Ein Labyrinth aus Schatten und Magie – Christian Handel
zum Verlag


Titel: Rowan & Ash – Ein Labyrinth aus Schatten und Magie

Originaltitel: -
Autor: Christian Handel
Übersetzer: -
Verlag: Ueberreuter
Erscheinungsdatum: 20. Juli 2020
Einband: Hardcover
Seiten: 409
ISBN: 978-3-764171-05-6
Preis: 17,95 € [D]


Klappentext

Seit seinem dritten Lebensjahr ist Rowan O'Brien mit der Kronprinzessin von Iriann verlobt. Doch im Vorfeld der Hochzeit sorgen Gerüchte für Verstimmung: Rowans enge Freundschaft mit der gleichaltrigen Magierschülerin Raven wird von missgünstigen Stimmen aufgebauscht und großgeredet. Dabei empfindet Rowan nichts als Freundschaft für Raven. Die Wahrheit ist viel komplizierter: Rowan liebt keine andere Frau. Sondern den Königssohn Ash.


Einordnung

Das Buch ist kein Teil einer Reihe.


Erster Satz

'Vorzeiten, als das Volk der Elfen noch unter uns wandelte und die Magie stark war, ritt der König der Menschen in den großen Wald von Iriann und jagte.'
(Seite 9)


Rezension

Ein Ownvoice Buch eines deutschen Autors in einem Fantasy-Setting: Da konnte ich einfach nicht Nein sagen. Die erste Hälfte hat mir auch richtig gut gefallen. Ich habe bis zwei Uhr nachts gelesen, weil ich so gebannt war. Das Knistern zwischen Rowan und Ash hat mich richtig mitgerissen. Ich hatte genauso aufgeregtes Herzklopfen wie Rowan und habe darauf gewartet, dass endlich etwas zwischen ihnen passiert. Da war es besonders gemein, dass der Autor noch einen Rückblick auf das erste Treffen der beiden im vergangenen Jahr eingestreut hat. Allerdings hat mich dieses Treffen auch interessiert und das Kribbeln war dort genauso zu spüren, sodass diese Hinhaltetaktik für mich die Spannung noch weiter erhöht hat. Zudem war der Rückblick so geschickt platziert, dass mir über die atemlose Aufregung gleichgültig war, dass es wieder eine Instant Liebe war.

Auch der Fantasyteil hat mir richtig gut gefallen. Ich finde die Idee interessant, dass Magie in Artefakten existiert und sich mit der Benutzung immer weiter entlädt, bis es aus dem geheimnisvollen Schattenlabyrinth, dessen Macht die Menschheit bedroht, zu unkontrollierten Magieeruptionen kommt, die alles wieder aufladen. Diese Grundkonstellation hat allerlei Dilemmata zur Folge, die auch im Buch behandelt werden: Viele Menschen sparen die Magie eines Artefakts auf, bis sie es wirklich einmal brauchen, aber wozu ist ein Artefakt gut, das nie benutzt wird? Und das Schattenlabyrinth könnte versiegelt werden, bevor es die Menschheit vernichtet, aber es ist auch die einzige Quelle der Magie. Überhaupt fand ich das Schattenlabyrinth spannend und faszinierend. Ich war neugierig, was genau es damit auf sich hat und bin durch die Seiten geflogen, um eine Erklärung zu finden. Darüber hinaus hat die Magie mich hin und wieder auch zum Lachen gebracht. Beispielsweise, als es Artefakt gefunden wird, dass Saft aus Obst presst, sonst aber keine Funktion hat. Wie sich die Figuren über die Nutzlosigkeit gewundert haben, fand ich amüsant.

In der Mitte des Buches hat es meine Freude an der Liebesgeschichte dann aber vollkommen aufgelöst und auch dem Setting einen faden Beigeschmack gegeben. Es gibt einen extrem manipulativen Zug emotionaler Erpressung von Ashs Seite, wodurch der Fantasyteil dann zwar ins Rollen kommt, was aber ein denkbar ungeeignetes Sprungbrett war. Ab dem Zeitpunkt habe ich mir tatsächlich gewünscht, dass Rowan sich gegen Ash entscheidet, trotz aller Gefühle. An dieser Stelle kann ich meine Rezension nicht komplett spoilerfrei halten: Sich in Lebensgefahr zu bringen, weil man Ablehnung nicht akzeptieren kann, um den anderen zu zwingen, einen zu retten, was in dieser Situation einem Bekenntnis zueinander und einem Coming-Out gleichkommt, ist nicht okay! Das ist nicht romantisch! Das ist extrem manipulativ und emotionale Erpressung. Frei nach dem Motto „Du willst es doch, du weißt es nur noch nicht“. Und ich hätte mir wirklich gewünscht, dass Rowan Ash zwar rettet, denn das ist schließlich, was Helden tun, dann aber bei seiner Entscheidung gegen Ash bleibt und nicht durch diese Aktion plötzlich erkennt, dass er doch genau dieses Leben und diese Beziehung will. Möglicherweise findet Rowan mit Ash das Glück seines Lebens, aber das ändert nichts daran, dass er zu Beginn in diese Beziehung gezwungen wurde.

Das führt mich zu meinem anderen Kritikpunkt: Möglicherweise. Das Buch bricht ziemlich abrupt ab, nachdem Rowan seine Entscheidung getroffen hat. Ich verstehe, dass es diese Entscheidung ist, die im Buch im Fokus steht. Deshalb ist es irrelevant, wie es weiter geht und welche Konsequenzen die Entscheidung hat, nachdem sie einmal getroffen ist. Trotzdem hat mich das Ende unbefriedigt zurückgelassen. Da Rowan die künftige Königin heiraten sollte, ist es von nationaler, wenn nicht sogar internationaler Bedeutung, dass er sich stattdessen einem Prinzen eines anderen Landes zuwendet. Ich hätte schon gerne gewusst, welche Bedeutung das nun für sein Land hat. Außerdem wird im Buch immer wieder thematisiert, dass Rowan Angst vor den Reaktionen seiner Familie hat, wenn seine Homosexualität bekannt wird. Er macht sich mehrfach Gedanken darum, er träumt davon, er hat Visionen. Die tatsächlichen Reaktionen werden dann aber gar nicht geschildert. Es wird eine uneindeutige Andeutung gemacht, mehr nicht. Dafür, dass das Thema vorher so aufgebauscht wurde, war mir das dann einfach zu wenig. Vielleicht reflektiert das in gewisser Weise, dass Rowan versteht, dass die Meinungen anderer irrelevant sind, weil es sein Leben ist. Trotzdem habe ich mich als Leser in der Luft hängen gelassen gefühlt. Vermutlich auch deshalb, weil mir auch zum Fantasy-Teil des Buches ein Ausblick in die Zukunft fehlte, nachdem die Entscheidung bezüglich des Schattenlabyrinths gefallen war.


Fazit

Die erste Hälfte des Buches mochte ich sehr. Das Fantasy-Setting fand ich interessant und faszinierend. Es hat mich neugierig gemacht und mir, abgesehen von einem zu abrupten Ende, auch bis zum Schluss gefallen. Die Liebesgeschichte hat mich anfangs ebenso mitgerissen. Das Knistern hat mir atemloses Herzklopfen beschert. Bis zu der Stelle, an der der Protagonist manipuliert und emotional erpresst wird. Ab diesem Zeitpunkt habe ich mir gewünscht, es würde keine Beziehung geben, weil das absolut nicht in Ordnung war. Und auch dort habe ich mich am Ende unbefriedigt in der Luft hängen gelassen gefühlt. „Rowan & Ash: Ein Labyrinth aus Schatten und Magie“ bekommt nach langem Nachdenken für eine richtig gute erste Hälfte trotzdem noch drei Schreibfedern.

3 Federn

Kommentare:

  1. Huhu Jenny :)

    Ich hatte mich auch auf das Buch gefreut, war nach dem Lesen aber doch sehr enttäuscht. Den Einstieg fand ich auch gut, aber so richtig habe ich auch da die Gefühle zwischen den beiden nicht so spüren können.

    Den manipulativen Zug von Ash fand ich auch nicht gerade berauschend, hat mich aber tatsächlich gar nicht mal so sehr gestört. Ich fand es einfach schade, dass das Fantasysetting so untergegangen ist und die Liebesgeschichte sich dann so in den Vordergrund gedrängt hat. Mich konnte die Handlung im zweiten Abschnitt dann auch nicht mehr wirklich packen.

    Beim Ende bin ich ganz deiner Meinung. Viel zu abrupt und zu viele offene Fragen. Nicht nur was die Liebesgeschichte und die Homosexualität angeht, sondern auch für den Fantasypart. Da haben sich ja doch einige Veränderungen ergeben, aber auch auf die wird gar nicht mehr eingegangen. Hätte mich schon mal interessiert, wie andere darauf reagieren und welche Konsequenzen das am Ende für das Königreich hat.

    Vielleicht hatte ich insgesamt auch einfach zu viele Erwartungen an die Geschichte.

    Lieben Gruß
    Andrea

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    1. Hey Andrea,

      schade, dass es dir auch nicht so gut gefallen hat. Ich denke auch, dass ich einfach zu hohe Erwartungen hatte. Dass es mehr Liebesgeschichte als Fantasy sein würde, war mir zwar klar, aber in Summe passte es einfach nicht. Aber gut, ein richtiger Flop war es immerhin auch nicht. :)

      Liebe Grüße zurück
      Jenny

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