Freitag, 9. Oktober 2020

[Rezension] Liane und das Land der Geschichten – Elif Shafak

zum Verlag


Titel: Liane und das Land der Geschichten

Originaltitel: Sakiz Sardunya
Autor: Elif Shafak
Übersetzer: Gerhard Meier
Illustrator: Zafer Okur
Verlag: arsedition
Erscheinungsdatum: 18. September 2020
Einband: eBook
Seiten: 162
ISBN: 978-3-845838-02-1
Preis: 9,99 € [D]


Klappentext

Liane liebt Geschichten über alles. Ihr größtes Glück findet sie im Lesen, in Büchern und in ihren fantasievollen Tagträumen. Eines Tages entdeckt sie in der Schulbibliothek einen alten Globus. Darauf ist ein rätselhafter Kontinent in Buchform abgebildet. Kurz darauf begegnet sie zwei geheimnisvollen Kindern, die aus dem Land der Geschichten stammen. Doch ihre Heimat ist in großer Gefahr. Sie lebt von der Fantasie der Menschen – und da immer weniger Menschen lesen, droht das Land zu verdorren. Liane will die Fantasie und den magischen Kontinent unbedingt retten, ehe es zu spät ist. Und so beginn eine abenteuerliche Reise ...


Einordnung

Das Buch ist kein Teil einer Reihe.


Erster Satz

'Im dritten Stock eines blauen Wohnhauses an einer breiten Straße in einer großen Stadt wohnte ein Mädchen.'
(Seite 7)


Rezension

Ein Kinderbuch, in dem es um die Magie des Lesens und die Macht der Fantasie klingt wunderbar. Ich mag es immer sehr, wenn Kinder darin bestärkt werden, zu Büchern zu greifen. Deshalb habe ich mich sehr auf diese Geschichte gefreut. Ehrlicherweise muss ich jetzt aber gestehen, dass mir das Buch nicht besonders gefallen hat. Das hat hauptsächlich zwei Gründe:

Erstens hat für mich das Verhältnis von Einleitung und Hauptgeschichte nicht gepasst. Zu Beginn des Buches wird Liane ausführlich vorgestellt mit ihren Lieblingstieren, Lieblingsfächern und Hobbys; ihre Familie wird vorgestellt; ihre Klasse wird vorgestellt. Anfangs fand ich das noch interessant, mit der Zeit zog die Geschichte sich dadurch aber immer mehr. Diese lange Einleitung ist vor allem deshalb unverständlich, weil die meisten Informationen für den Verlauf der Geschichte vollkommen irrelevant sind. Dabei, mich in Liane hineinzuversetzen, hat diese übermäßig detaillierte Charakterisierung ebenfalls kaum geholfen, weil die Informationen viel zu willkürlich waren.

Nachdem ich ein Drittel des Buches gelesen hatte, habe ich mich gefragt, wann die Geschichte endlich beginnen würde. Ab Seite 60 fangen Magie und Fantasy dann endlich an, eine Rolle zu spielen. Der Abenteuer- und Fantasyteil der Geschichte war dann allerdings ziemlich abgehackt. Alles wird kurz und knapp geschildert oder nur angerissen. Es war viel zu viel Handlung für diese wenigen Seiten. Zum einen, weil die Autorin unnötigerweise noch einen Aspekt mit den vier Elementen in die Geschichte gequetscht hat, die dann natürlich alle noch betrachtet werden mussten. Zum anderen, weil sich Teile der Handlung wiederholten, die genauso gut hätten gestrichen werden können. Dadurch wirkte die Handlung sehr hektisch, oberflächlich und sprunghaft. Gleiches gilt auch für die Emotionen, Gedanken und Einstellungen der Charaktere. In einem Satz sind sie noch niedergeschlagen und den Tränen nah, im nächsten dann entschlossen und voller Tatendrang. Das ging viel zu schnell, um die Entwicklungen nachvollziehen zu können.

Zweitens hatte ich das Gefühl, dass die Autorin jede Lebensweisheit, die ihr eingefallen ist, in das Buch gequetscht hat. Weisheiten, auf die ich viel zu sehr mit der Nase gestoßen wurde. Das Buch hat durchaus tolle Botschaften, die in schönen Sätzen formuliert sind. Aber wie Liane diese Weisheiten aus den Dialogen mit anderen Figuren extrahiert hat, war viel zu erwachsen oder auch gar nicht ersichtlich. An diesen Stellen habe ich gemerkt, dass die Autorin diese Botschaft gerne im Buch haben wollte. Es wirkte extrem eingefügt. Ich bezweifle, dass Kinder viel davon mitnehmen, wenn sie diese Sätze lesen, aber keine Verbindung zum Verhalten und den Aussagen der Figuren herstellen können. Das ist selbst mir teilweise nicht gelungen.


Fazit

Die Idee des Buches, dass ein magisches Land mittels Fantasie gerettet werden muss, ist leider der einzige Aspekt, den ich positiv bewerten kann. Die Einleitung mit der Vorstellung der Protagonistin ist langwierig und zäh, danach überschlägt sich die oberflächliche, sprunghafte Handlung. Zu viel Handlung, teilweise mit Wiederholung, wurde in zu wenige Seiten gequetscht. Außerdem beinhaltet das Buch zwar unzählige schöne Lebensweisheiten, die aber fast nie eine Verbindung zur Handlung haben, willkürlich eingestreut wirken und für Kinder damit kaum nachvollziehbar sein werden. An „Liane und das Land der Geschichten“ kann ich leider nur zwei Schreibfedern vergeben.

Ich bedanke mich beim arsedition Verlag und bei NetGalley für das Rezensionsexemplar.

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