Sonntag, 24. Januar 2021

[Rezension] Die Queen ermittelt 1: Das Windsor Komplott – S. J. Bennett



Titel: Die Queen ermittelt – Das Windsor Komplott

Originaltitel: The Windsor Knot
Autor: S. J. Bennett
Übersetzer: Werner Löcher-Lawrence
Verlag: Knaur
Erscheinungsdatum: 12. Januar 2021
Einband: Hardcover
Auch erschienen als: eBook, Hörbuch, Hörbuch-Download
Seiten: 305
ISBN: 978-3-426227-40-4
Preis: 18,00 € [D]


Klappentext

Queen Elizabeth II. hat eine heimliche Passion: Sie löst für ihr Leben gern Kriminalfälle! Unerkannt, versteht sich ...

Als nach einer Feier auf Schloss Windsor der junge russische Pianist tot in seinem Zimmer liegt, wittert der MI5 sofort ein Komplott Putins. Die Queen ist not amused über so viel Übereifer. Wird es gelingen, dem waren Mörder auf die Spur zu kommen? Bevor es zu diplomatischen Verwicklungen kommt?


Einordnung

- Das Windsor Komplott (Teil 1)
- weitere Teile werden folgen


Erster Satz

'Es war ein fast perfekter Frühlingstag.'
(Seite 9)


Rezension

Ich habe noch nie einen Cozy Krimi gelesen, aber die Vorstellung, wie die Queen einen Mörder jagt, um einen diplomatischen Zwischenfall zu verhindern, hat mich gleich angesprochen. Schlussendlich hat mich das Buch nur bedingt überzeugt. Wie es für dieses Genre üblich ist, spielen die Ermittlungen in dem Kriminalfall nur eine untergeordnete Rolle, während stattdessen über weite Strecken das Privatleben der Queen betrachtet wird – Teezeit, Pferdeshows, Familienfeiern. Das Erzähltempo ist gemächlich, weil Unterhaltung im Vordergrund steht und nicht Spannung. Ich muss gestehen, dass es für mich teilweise schon zu langsam war. Auf der einen Seite ist es verblüffend, wie langweilig das Privatleben der Queen ist, auf der anderen Seite war es beim dritten gemütlichen Ausritt eben auch genau das: langweilig.

Der Aspekt des übereifrigen Geheimdienstes kam mir zudem zu kurz. Ich hatte mich auf eine Art komödiantenhafte Tölpelei eingestellt, eine Karikatur des MI5. In gewisser Weise war es das auch, wenn der Agent alle Hinweise in den Wind schießt, denn schließlich war der Tote Russe, sodass Putin dahinter stecken muss. Insgesamt spielt der Geheimdienst aber fast überhaupt keine Rolle. Das fand ich schade, denn dadurch geht dem Buch viel angeteaserter Humor verloren.

Angetan hat es mir vor allem die Figur der Queen. Sie ist sehr unterhaltsam und steckt voller Überraschungen. Es beginnt schon damit, dass sie Flugzeugtypen am Umriss erkennen kann – tatsächlich kein Kunststück, wenn man unter der Einflugschneise des Flughafens wohnt, aber irgendwo doch völlig überraschend. Zum Lachen gebracht hat sich mich auch gerade am Anfang häufiger, denn das Mordopfer, der russische Pianist, wird nicht einfach nur tot in seinem Zimmer gefunden, sondern das auch noch in einem sehr delikaten Zustand. Es war herrlich zu lesen, wie sich alle krümmen vor Unbehagen, darüber mit der Queen sprechen zu müssen, und wie sie alle halb damit rechnen, dass sie in Ohnmacht fällt, wenn etwas auch nur im Ansatz Anstößiges erwähnt wird. Verstärkt wird der Witz noch dadurch, dass die Queen, nachdem alle sich schleunigst entfernt haben, völlig ungerührt die Fachbegriffe für diese sexuelle Praktik googelt. Sie war tatsächlich eine überraschend erfrischende, humorvolle, charmante Figur.

Als geniale Meisterermittlerin hat mich die Queen dagegen nur stellenweise überzeugt. Immer wieder blitzte ihre Brillanz auf, wenn sich nach dutzenden Seiten die Konsequenzen eines ganz bewusst wie nebenbei eingeworfener Kommentar ihrerseits entfalten. Sie versteht es meisterhaft, die Ermittler glauben zu machen, sie seien selbst auf Spuren und Lösungen gestoßen. Leider habe selbst ich als Leserin mit deutlich mehr Informationen und Einblicken in die Perspektive der Sekretärin, die für die Queen Nachforschungen anstellt, manchmal nicht verstanden, wie sie bestimmte Dinge durchschauen konnte. Auf magische Weise hat sich plötzlich den Fall durchschaut und kann ihre subtilen Hinweise streuen, ohne dass irgendwie erläutert wird, woher ihre Erkenntnisse kommen. Sie mag eine geniale Ermittlerin sein, aber das wurde mir zu wenig transportiert. Mehr Herleitung der Auflösung und weniger Ausritte wären da der Schlüssel gewesen.


Fazit

Dieser Cozy Krimi hat mich meist gut unterhalten, war allerdings stellenweise durch Wiederholungen etwas langweilig. Die Queen als Ermittlerin war humorvoll und überraschend erfrischend. Sie löst den Fall nur leider auf fast schon magische Weise, weil ich immer noch nicht verstehe, wie sie die Hintergründe durchschauen konnte. Ihre Brillanz blitzt immer wieder auf, wird aber nicht deutlich genug transportiert, um ihr folgen zu können. „Das Windsor Komplott“ hat für mich die Schwerpunkte ungünstig gesetzt, war aber trotzdem unterhaltsam und bekommt dafür drei Schreibfedern.


Ich bedanke mich beim Knaur Verlag und bei Vorablesen für das Rezensionsexemplar.

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